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gemeinen zum Besonderen hat dabei die ästhetische Wirkung erklären sollen. Diese Ansicht sieht von vornherein nicht sehr überzeugend aus. Wie kann man, fragt M., wenn dem so ist, noch über das Schöne streiten? Wie ist es möglich, dass der Künstler, der für die Schönheiten eines Kunstgebietes so empfänglich ist und dort sein Talent offenbart, von der Schönheit auf anderen Gebieten vielleicht ganz unberührt gelassen wird und nicht als schön anerkennt, was anderen dafür erscheint? Lotze sagt auf derartige Einwürfe, dass eine Entwickelung der Fähigkeit, ein solches Ideal zu erkennen und zu beurteilen, nötig sei. Das würde aber nur ein Mehr oder Minder der Schönheit erklären, während sich in Wirklichkeit ganz entgegengesetzte ästhetische Bewertungen gegenüberstehen. Bergmann nimmt an, dass die verschiedenen ästhetischen Urteile ihren Grund in der Verschiedenheit der individuellen Auffassung des Objektes haben („Ueber das Schöne", S 168 ff.) Dann wären jedoch alle ästhetischen Urteile gleich zu schätzen und der idealistischen Richtung die Grundlage für ihre Behauptung entzogen. Gerade die Tatsache, dass sich über den Geschmack nicht streiten lässt, bezieht M. auf die Berechtigung der Ansicht, dass das Schöne erfolgreicher vom subjektivi- stischen Standpunkt untersucht werden hönne: durch eine Analyse der geistigen Verfassung des Subjekts beim Eindruck des Schönen. Danach ist also das Wesen des Schönen in uns selbst, in bestimmten psychischen Zuständen zu suchen, die wir besitzen, wenn unsere Sinne von einem „schönen" Objekt afliziert werden, d. h. M. glaubt, dass nicht die Objekte und ihre Eigenschaften als solche veranlassen, sie schön zu nennen, sondern dass erst ihr Eindruck entscheidend sei, der die ästhetischen oder unästhetischen Gefühle erzeugt 1 ).
Die bisher hervorgetretenen subjektivistischen Theorien 2 ) haben teils einen „sensualistischen", teils einen „emotionalen", teils einen „intellektualistischen" Charakter.
1) I, S. 124 und II, S. 12 ff.
2) Dossoir, „Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft'', Stuttgart 1906, S. 75, kennzeichnet den Standpunkt des ästhetischen Subjck-


