I. Teil:
Der ästhetische Eindruck. A. Marshalls snbjektivistischcr Standpunkt.
Das Charakteristische des ästhetischen Eindrucks.
(Für die folgenden Darlegungen ist es wichtig zu beachten, dass bei Marshall der Ausdruck „schön" im weitesten Sinne gebraucht wird; dasselbe gilt von den Begriffen „Kunst" und „Ästhetik". Ästhetisch nennt er jeden Eindruck, rühre er nun von einem Natur- oder Kunstobjekt her, wenn er nur veranlasst, das Objekt für schön zu halten 1 )!
Der menschliche Geist hat von jeher die Gewohnheit, eigne Zustände und Vorgänge in die Aussenwelt zu verlegen, sie sich dort gegenständlich zu machen. Ganz natürlich kam man so dazu, die charakteristischen Merkmale des ästhetischen Eindrucks vor allem in gewissen Eigenschaften der Objekte selbst zu suchen. Aristoteles z. B. hat ein Verzeichnis objektiver Qualitäten (Ordnung, Symmetrie, eine gewisse Grösse) aufgestellt, von denen das Schöne abhängig sein sollte 2 ). Plato (und überhaupt die Philosophen der idealistischen Richtung) glaubten an ein unveränderliches Allgemeines, an ein Absolutes, das im Objekt zur Erscheinung komme und seine Schönheit bestimme. Die Beziehung der Idee zu iher objektiven Verwirklichung und die des All-
1) Vgl. I, S. 112.
2) Von Neueren zitiert Marshall E. Burkc, der auch ein Verzeichnis objektiver Qualitäten gibt, und Hogarth, der (i Elemente der Schönheit aufzählt, die bezeichnenderweise mit denen von Burke nicht übereinstimmen.


