Aufsatz 
Festschrift des Gymnasiums Dillenburg zur Einweihung des Neubaues am 21. November 1957 /
(Zusammenstellung: W. Bauer, H. Menzel)
Entstehung
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erst spät auf und treten nach außen hin nicht so in Erscheinung, wie die viel lebhafteren Schüler aus den Städten. So ist es nicht einfach, gerade unseren Land- schülern während der Aufnahmeprüfung gerecht zu werden.

Die Zahl derjenigen Prüflinge, die von dem Gym- nasium in den letzten Jahren nicht aufgenommen wor- den sind, ist nicht allzu hoch. Sie beträgt 12 bis 15 Prozent, nur gelegentlich einmal 18 Prozent.

Die Auslese während der Schulzeit

Der Auslesevorgang an den Gymnasien beschränkt sich nicht auf die Sexta und auf die Aufnahmeprüfung. Während der ganzen neunjährigen Schulzeit findet eine ständige vorsichtige Auslese der Schüler statt.

Sie ist unvermeidbar, weil sich die Anforderungen nach und nach steigern und von dem konkret Faßbaren zum Abstrakten führen. Diese Auslese während der Schulzeit geschieht nicht nur durch das berüchtigte Sitzenbleiben. Sie wird auch, und zwar recht häufig. derart vorgenommen, daß der Schüler zu einer anderen Schulform überwechselt, vor allem zur Mittelschule, oder daß der Schüler rechtzeitig in eine niedrigere Klasse zurücktritt. Das Sitzenbleiben bedeutet ja nicht eine Strafe. Es ist als Hilfe gemeint für diejenigen Schüler, von denen feststeht, daß sie das Ziel der nächsten Klasse nicht erreichen können. Es ist deshalb viel richtiger, das Kind rechtzeitig in ein anderes Schulsystem zu überführen oder eine Klasse zurück- zunehmen, als zu Ostern den schroffen Bruch herbei- zuführen.

Die Auslese der Schüler auf den Gymnasien beruht auf den theoretischen Fächern, vor allem auf den Spra- chen und der Mathematik. In der folgenden Tabelle finden sich die Prozentsätze der Noten in den einzelnen Fächern:

prozent der Noten auf die Schülerzahl der Klassen

bezogen: 1 2 3 4 5 6 befreit

Religion 5,9 46,7 30, 1 8,3 1,9 Sozialkunde 1,9 20,9 40,0 18,9 0,3 Deutsch 1,3 17,9 40,4 38,4 2,0 Geschichte 3,0 29,3 385,5 30,0 2.2 Erdkunde 2,0 33,1 43,3 21,3 0,3 Latein 1,6 15,0 28,2 41,3 12,3 1, 6 Griechisch Englisch 1,1 14,3 25,6 48,3 9,6 1,1 Französisch 1,6 19,4 29,6 42,6 6,) Mathematik 3,1 21,8 34,3 36,7 4, 1 Physik 6,9 29.0 38,3 28, 8 Chemie 4,6 32,4 34.7 26,8 1,4 Biologie 1,6 38,1 38,8 21,5 Musik 5,0 26,5 30,0 33,2 5,3 Kunst 4,8 35,6 36,4 21,6 1,6 Sport 12,0 34,3 27,2 13,3 0,6 12,6

Ganz deutlich wird aus den Zahlen, daß es in aller- erster Linie die Fremdsprachen sind, deren Anforde- rungen die Schüler nicht gewachsen sind. Hier ist es vor allem das Lateinische, das bei weitem die stärkste Anzahl von Versagern stellt. Dann folgen Englisch und Französisch, schließlich in einigem Abstand Mathema- tik. Die Auslesekraft der anderen Fächer ist verhältnis- mäßig belanglos. Unsere Gymnasien sind also das muß eindeutig festgestellt werdenSprachenschulen.

Das bedeutet natürlich nicht, daß alle aufgenom- menen Schüler ohne Bedenken zugelassen werden. Um Ungerechtigkeiten zu vermeiden, überläßt die Schule die nächste Auslese dem Sextajahr, das als Probejahr gilt. Einige wenige, etwa 3 bis 5 Prozent der aufge nommenen Schüler, müssen während des Probejahres wieder ausscheiden, vor allem deswegen, weil sie den Anforderungen in der Fremdsprache nicht gewachsen sind.

Nach der ersten Auslese durch das Aufnahmever- fahren und in der Sexta wird im allgemeinen das zweite Jahr gut überstanden. Die erste schwere Probe folgt in der Quarta. Hier tritt die zweite Fremdsprache hinzu. Es ist im Gymnasium vor allem das Lateinische, das einer ganzen Anzahl von Schülern in der Quarta zum Verhängnis wird. Hier können die Zahlen der Nichtversetzten bis zu 30 Prozent ansteigen, so daß sich die Quarta als das erste große Hindernis erweist. Auf diese Auslese wird von der Anstalt größter Wert gelegt. Ein Kind, das bereits die Anfangsgründe des Lateinischen nicht erfüllt hat, sollte unter allen Um- ständen wiederholen, weil es sonst unmöglich in der nächsten Klasse mitarbeiten kann. Die Belastung im Lateinischen ist sonst so groß, daß die Leistungen in anderen Fächern darunter leiden müssen. Die nächste Auslese bringt die dritte Fremdsprache in der Ober tertia. Das ist im Gymnasium Französisch, im Alt- sprachlichen Gymnasium Griechisch. Diese beiden Sprachen lesen ganz erheblich aus. Die Beanspruchung des Kindes durch drei verschiedene Fremdsprachen ist doch recht hoch, so daß sich hier gerade in Obertertia wieder erhebliche Nichtversetzungen ergeben.

Nach der Untersekunda müßten sich die Eltern ent- scheiden, ob das Kind die Anstalt verläßt oder ob es bleibt und damit vor die Wahl gestellt wird, den sprachlichen oder mathematischen Zweig der Anstalt zu besuchen. In die Oberstufe der Anstalt sollten nur solche Schüler aufgenommen werden, von denen wir hoffen können, daß sie das Ziel, die Reifeprüfung, auch erreichen. Die Auslese nach dieser Klasse muß also noch einmal sehr sorgfältig getroffen werden, da- mit der Schüler nicht unnötig Zeit auf der Oberstufe verliert.

Die Oberstufe selbst bringt in der neuen Form der Konzentration der Fächer den Schülern einige Brleich- terungen, die zunehmende Theoretisierung der Fächer führt jedoch auch zu verstärkten Anforderungen, so daß doch noch eine ganze Anzahl Schüler zur Reife- prüfung nicht zugelassen werden. Andrerseits setzen sich auf der Oberstufe auch sehr häufig Begabungs- richtungen durch, die man vorher bei den Schülern nicht vermuten konnte. Aus Liebhaberei wird ernste Neigung und in vielen Fächern schon zielbewußtes Streben.

Die Zahl der Schüler, die das Klassenziel nicht er- reichen, ist verhältnismäßig konstant. Sie bewegt sich immer zwischen 7 und 8 Prozent, allerdings treten dazu noch diejenigen, die vorzeitig in eine andere Klasse zurückgehen oder in die Volkschule oder Mit- telschule vor dem Versetzungstermin übertreten. Auch

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