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arbeit erſühren ſie ſowohl, wie ſie ſie an anderen übten; aber gerade dar der große Wert dieſes Zuſammenlebens. Erſchwerend iſt hier nur dies, daß ledes Semeſter etwa di Hälfte der Kandidaten ausſcheidet. Dadurch bildet ſich etwas ſchwer eine Tradition, und in jedem Semeſter wiederholt ſich mehr ader weniger ernſt und gelegentlich ſürmiſch die Arbeit der zurüickgebliebenen Kandidaten an den neu eintrelenden, die noch halbe Studenten ſind, und denen es ſchwer wird, auf allerlei akademiſche Sitten und Unſitten zu verzichten. Nach dieſer Richtung hin wäre allerdinas ein längerer e Fligehe Semiinar⸗ beſuch von Vorteil. Aber wielleicht gelingt es ſpäter einmal einem 6 an meiner Stelle, zu Lane was ich ſeit Jahren cH erſtrebt habe, daß nämlih ein Kandidat, nachdem er ſen 5 Examen beſtanden und etwa ein Jahr lang als Bikar thätig geweſen iſt, nach Herborn als Senior zuräickehrt, lier ein Jahr zubeingt, eiwn in der Gehaltsſtelung eines ſogen. Staatsvikars, die Tradition fortpflanzend, der nalürliche Ver⸗ trauensmann der Kandidaten, zugleich in der Lage, die kurſoriſche Schriſtltne der Kandidalem zu keien und die Büliothet zeck verwalten. Ein ſolcher wurde den Kollegſtnuden noch zum Teil beiwohnen und hätte im übrigen die ſchöne Muße, ſich zur Lieentiaten⸗Promotion vorzubereiten. Welcher Gewinn ſür unſere Hochſchulen, wenn ſich in größerer Zahl ſolche Männer habilitierten, die durch eine derartige Arbeit am Predigerſeminar Einblick in die Bedürfniſſe der jungen Leute und zugleich doch auch einigen Einblick in das praktiſche Amt erreicht hälten! Die Eutfremdung zwiſchen theologiſcher Wiſſenſchaft und praktiſcher gbeit, die ja unleugbar iſt, ſoll man doch nicht bloß bellagen, ſondern zu beſeitigen ſuchen. Die Kirche ruſt, daß der Staat in ſeinen Fakultäten ihr nicht gebe, mas ſie bedürfe. Aber wo macht deun die Kirche auch nur den geringſten Verſuch, dem Staat für ſeine Fakultäten zu geben, was er bedarf und ſie ſelbſt haben will,— Männer, die nicht bloß wiſſenſchaftlich arbeiten gelernt, ſondern auch die Ergebuiſſe des Univerſtüäte⸗ ſtudiums nach ihren guten Seiten, wie nach ihren Mängeln er⸗ fahren und einen Einblick in die Auſgaben des Predigerautes


