Aufsatz 
Die Realschule
Entstehung
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Realſchule beſtandene Einrichtung von Freiſtellen dahin erweitert, daß, wie bei allen höheren Lehran⸗ ſtalten des Landes, auf je 20 Schüler einer von der Entrichtung des Schulgeldes befreit werden kann. Die näheren Modalitäten dieſer Einrichtung theilt die Direction auf Anfrage gerne mit.

Durch Erlaß vom 20. Juli 1875 wurden in Gemäßheit des Reichs⸗Impfgeſetzes vom 8. April 1874 ſämmtliche Lehranſtalten mit ſpeciellen Weiſungen verſehen, wonach dieſelben über die Ausführung der Beſtimmungen dieſes Geſetzes bezüglich ihrer Schüler zu wachen und dazu mitzuwirken haben. Ins⸗ beſondere hat jeder neu aufzunehmende Schüler einen Impfſchein über die erſte, und falls er über 12 Jahre alt iſt, einen ſolchen über die zweite Impfung vorzulegen, oder durch ein ärztliches Zeugniß ſich auszuweiſen, daß er in den letzten 5 Jahren die natürlichen Blattern überſtanden hat oder mit Erfolg geimpft worden iſt. Wer dieſe Nachweiſe nicht erbringen kann, hat ſich einer zweiten Impfung zu unter⸗ werfen. Dieſe und alle anderen Schüler, welche in dem betreffenden Jahre das 12. Lebensjahr erreichen, werden unter Aufſicht und Mitwirkung der Schule geimpft.

Außer den gewöhnlichen botaniſchen Excurſionen und den wöchentlichen, mit Spielen und Turnübungen verbundenen Spaziergängen der Vorſchulklaſſen wurde am 8. und 9. Juni eine größere Excurſion der oberen Claſſen unter Dr. Buchner's Führung im Dill⸗ und Lahnthal, über Greiſenſtein, Beilſtein, Weil⸗ burg und zurück über Wetzlar ausgeführt.

An der Feier des 2. September und dem damit vereinigten lokalen Jugendfeſt nahm die Realſchule, wie alljährlich, den thätigſten Antheil. 1

Der Geſundheitszuſtand der Angehörigen unſerer Schule war, hauptſächlich in Folge der ungünſtigen Witterung im Sommer und Winter, nicht gerade befriedigend; bei einzelnen Lehrern und einer, beſonders in den unteren Claſſen nicht geringen Anzahl von Schülern traten wiederholte, zum Theil längere Unter⸗ brechungen ein, und die Vorſchule hatte ſogar den Tod zweier hoffnungsvoller Schüler, Karl Fuhr und Ludwig Kahl, zu beklagen. Der erſtere ſtarb am 22. Mai, der letztere am 14. Auguſt v. J.

Die Bibliothek und die Lehrmittel der Schule wurden auch in dieſem Jahre, den gewährten Mitteln gemäß, erheblich vermehrt und vervollſtändigt.

Als weiteren ſchätzbaren Zuwachs derſelben haben wir mit ſchuldiger Dankſagung der Geſchenke an Literalien u. ſ. w. zu gedenken, welche uns theils von Großh. Miniſterium des Innern und anderen Be⸗ hörden, theils von Privaten, insbeſondere von den Herren Verfaſſern oder Verlegern verſchiedener Lehr⸗ bücher u. ſ. w. für die Schule zugekommen ſind.

Als literariſche Arbeiten von Lehrern der Realſchule ſind zu erwähnen:

von Dr. O. Buchner: Schluß der Zuſammenſtellung des anthropologiſchen Schulatlas, in 25 Tafeln vom Photographen Dammann in Hamburg veroffentlicht;

von demſelben erſchien die 2. Auflage ſeines Buchs über Blitzableiter, Weimar 1876, und Fortſchritte der Geographie 1874, zu Kleins Revüe, Cöln 1875.

Sodann erſchien:

P. Vergilius Maro's Pngolihe erklärt und herausgegeben von Dr. E. Glaſer. Halle, Buch⸗ handlung des Waiſenhauſes 1876.