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und Geldzahlungen zugesprochen; die weitere Zukunft des Landes war unsicher: aber nach erfolgter Aufhebung der Acht hatte Philipp von seinem Gefängniss aus die Entscheidung über alle wichtigeren Landesangelegenheiten, über welche ihm die Statthalter, an ihrer Spitze sein ältester Sohn Wilhelm, berichteten.
Im ganzen Reich war ungewisse Erwartung; im Norden, wohin des Kaisers Arm nicht reichte, erhob sich die Opposition lauter und lauter. Auf dem nächsten Reichstag 1550 erklärten die Gesandten der drei protestantischen Kurfürsten von Sachsen, Pfalz, Brandenburg dem Kaiser, wenn man das Interim mit Gewalt durchführen wolle, so sei Aufruhr zu befürchten.¹) Aber sie willigten in die Beschickung des abermals nach Trient berufenen Concils, und der Reichsabschied, zu weiterer Förderung des Interim ermahnend, verhiess den Protestanten für das Concil sicheres Geleit und Freiheit der Rede. Die Kurfürsten Moritz und Joachim erschienen auf diesem Reichstag nicht in Person, weil sie nach wiederholter vergeblicher Verwendung für den gefangenen Landgrafen sich in ihrer fürstlichen Ehre verletzt fühlten; jedoch betonten sie bei ihrer Entschuldigung dem Kaiser gegenüber mehr den andern Grund, sie seien durch die von Magdeburg ausgehenden Unruhen bedroht.*) Moritz übernahm die Vollstreckung der Acht an dieser Stadt, welche der Mittelpunct der Opposition gegen das Interim geworden war; damit glaubte der Kaiser ihn aufs neue an seine Politik gefesselt zu haben. Auf katholischer Seite fand Karl V. jetzt so wenig wie früher thatkräftige Unterstützung; mit dem Concil hoffte er weiter zu kommen.
Schon rüsteten sich die protestantischen Theologen zur Reise nach Trient, und der Kaiser sah es nicht ungern, als im Januar 1552 eine sächsische Gesandtschaft dort erschien mit der Forderung, die bereits beschlossenen Artikel müssten noch einmal verhandelt werden, und das Concil dürfe ferner nicht von päpstlicher Leitung abhängig sein. Er glaubte sich dem Ziel nahe, die Reformation der durch seine Bemühung geeinigten Kirche in seinem Sinne zu leiten, da auch angesehene spanische Theologen Reform des Papstthums forderten. Da zerstörte, noch ehe der Kampf der Meinungen in Trient begann, der Abfall und Kriegszug des Kurfürsten Moritz die kaiserlichen Pläne.
Während der lässig betriebenen Belagerung Magdeburgs hatten Moritz und Wilhelm von Hessen, der nicht müde wurde, ihn an die gegebene Obligation zu mahnen, das verhängnissvolle Bündniss mit Frankreich abgeschlossen. Im Geheimen und in Verbindung mit dem Reichsfeinde musste Moritz seine veränderte Stellung nehmen, als er den Bestand der evangelischen Lehre aufs Höchste gefährdet und die reichsfürstlichen Rechte nach wie vor beim Kaiser gering geachtet sah. Auf das Vertrauen der protestantischen Reichsstände hatte Moritz keinen Anspruch; aber er wusste auch, dass Entschlossenheit zu Thaten bei den meisten nicht zu finden war. Sie begnügten sich, als- im December 1551 nochmals eine Verwendung fast aller weltlichen Reichsfürsten für den gefangenen Landgrafen stattfand, mit der Antwort des Kaisers, er erwarte Moritz zu Innsbruck, um mit ihm darüber zu verhandeln.
Moritz zog im März 1552 zusammen mit Wilhelm von Hessen und Albrecht von Brandenburg- Culmbach mit Heeresmacht gen Süden, und es zeigte sich plötzlich, wie wenig der Kaiser gerüstet war. Zum Leidwesen seiner Verbündeten begab sich Moritz, als das Heer vor Ulm stand, zu Verhandlungen mit Ferdinand nach Linz. Mehrere Wochen wurde dadurch das weitere Vordringen
¹) Sleidan lib. XXII: Absentium electorum legati diligentem a se navatam operam, sed obesse temporis longinquitatem ajunt; nec enim ita subito religionem hanc ex animis hominum posse revelli, et opus esse informatione, ut paulatim homines assuescant, quibus persuasum omnino sit, decretum illud discrepare multum a sacris litteris; violenter quidem nihil Posse mutari sine turba et seditione. 2) v. Langenn I, 424.


