Aufsatz 
Landgraf Philipp von Hessen / Maximilian Hoffmann
Entstehung
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nehmen; es rückte langsam am linken Donauufer vor. Der Kaiser bezog darauf ein festes Lager bei Ingolstadt; nach mehrtägiger heftiger Beschiessung kam man nicht zu einem Angriff auf dasselbe. Der Landgraf sagte wohl, wenn er allein den Oberbefehl hätte, würde er angreifen, aber er wagte es nicht¹). Darauf erhielt der Kaiser aus den Niederlanden ansehnliche Verstärkung durch die Truppen des Grafen von Büren, der den Bewegungen des verbündeten Heeres auszuweichen wusste; er rückte nun stromaufwärts vor, und die Verbündeten folgten ihm, ohne einen selbständigen Kriegsplan zu entwickeln ²). Sechs Wochen lagerten sie ihm gegenüber in einem festen Lager bei Giengen, zwischen Nördlingen und Ulm, und hinderten weiteres Vorrücken nach Würtemberg; mehrfach fanden kleine Gefechte statt, aber eine Schlacht zu wagen schien nun vollends nicht mehr rathsam, denn durch Krankheiten und Soldmangel wurde ihr Heer täglich untüchtiger. Noch hatte auch die spanische Kriegskunst keine glänzenden Erfolge gewonnen, da veranlasste der Einfall des Herzogs Moritz in das kursächsische Gebiet das Auseinandergehn des verbündeten Heeres.

Der Abzug des Kurfürsten Johann Friedrich hätte noch für die Einheit der Kriegsleitung von Vortheil sein können, aber Würtemberg und die oberländischen Städte wollten weitere Geldlasten nicht auf sich nehmen, und der Landgraf machte keinen Versuch, noch durch eine Kriegsthat den gesunkenen Muth zu beleben. Der Bund löste sich auf, indem jene ihren Frieden mit dem Kaiser fanden und Philipp in sein Land zurückkehrte; Verbindungen, die man von neuem mit Frankreich und den Schweizern geknüpft hatte, konnten nun nicht mehr Kraft gewinnen. Die Erhebung volksthümlichen Widerstandes wachzurufen vermied der Kaiser klüglich, indem er überall den protestantischen Gottesdienst unangefochten liess. So konnte auch Landgraf Philipp nicht daran denken, alle Kräfte seines Landes aufzubieten; er trat durch seinen Schwiegersohn Moritz schon im Januar 1547 in Unterhandlung, zunächst mit König Ferdinands), und bemühte sich andrerseits, zwischen Moritz und Johann Friedrich eine Ausgleichung zu Stande zu bringen. Das Gesuch des letzteren um weitere bundesmässige Hülfe lehnte er ab mit Vorwürfen über die verfehlte Kriegführung an der Donau, mit der Ermahnung, gegen Moritz nicht so schnell vorzugehn, mit dem Hinweis auf die allgemeine Verweigerung von Bundesleistungen und die Erschöpfung seinereignen Mittel 4). Als im März 1547 der Zug des Kaisers nach Sachsen bevorstand, als die Böhmen dem König Ferdinand den Gehorsam verweigerten und die norddeutschen Städte, an

1) Die bei Menzel III, 15 f. aus Schärtlins Lebensbeschreibung angeführte Beschuldigung, dass am dritten Tage der Beschiessung, am 1.. September, der Landgraf den von Schärtlin beabsichtigten Angriff gehindert habe, wird durch den landgräflichen Bericht(bei Rommel III, 143) nicht widerlegt, da dieser über die Ereignisse am 1. September ganz kurz hinweggeht.

2) Die Mangelhaftigkeit der Kriegführung geht zur Genüge hervor aus den ausführlichen Berichten und Briefen, (Rommel III, 139 185), in denen der Landgraf sich über seinen Antheil an den Begebenheiten zu rechtfertigen suchte. p. 171: Wir haben je fünf Tag vor Ingolstadt hart an seinem Lager gelegen, dergleichen er uns nie gethan; hätt man uns damals gefolgt, so sollts, ob Gott gewollt, damals wohl ausgericht worden sein, wie die Feind und Freund sagen. Als wir nach Nördlingen zogen, hielten wir auch einen Tag vor ihm in freiem Feld, war nit mehr denn ein kleines Wasser zwischen uns, boten ihm die Schlacht genugsam an, wiewohl er uns mit reisigem Zeug weit überlegen war. Dass aber wir uns noch mehreres Vortheils sollten begeben und ihm über das Wasser gezogen sein, das war keineswegs zu rathen, sonderlich dieweil er einen so grossen reisigen Zeug hatt. p. 155:Unser Lager vor Giengen ist dermassen beschaffen gewest, dass man anfänglich, als man dahin kommen, nicht gerathet gehabt, dass man daselbst über eine Nacht liegen und beharren möcht. Sondern man gedachte, der Kaiser würde nach Ulm ziehen, so wollte man ihm dann nachziehn und ihn zu schlagen nöthigen, denn es wär ihm die Donau herauf kein Proviant nachkommen, auch waren die würtembergischen Steige dermassen besetzt, dass er daselbst hinein auch nit hätt kommen können. Der Kaiser aber wollt sich aus demselbigen Ort Landes nit begeben, derwegen mussten die beiden Kur- und Fürsten zu Sachsen und Hessen mit ihrem Kriegsvolk auch so lang da verharren. Der Kaiser wollt ausserhalb seines Vortheils mit den beiden Kur- und Fürsten nit schlagen, so konnte kein Verständiger rathen, dass sie sich alles Vortheils begeben, in seinen Vortheil ziehn und danach mit ihm schlagen sollten.

3) v. Langenn, Moritz v. Sachsen I, 321 f.

4) Ausführliches Schreiben Philipps an Johann Friedrich, Cassel, 14. Januar 1547, bei Rommel III, 188. 191. 194.