Aufsatz 
Landgraf Philipp von Hessen / Maximilian Hoffmann
Entstehung
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heissen solle, bestätigte den nürnberger Religionsfrieden und ward von den Protestanten als römischer König anerkannt. Landgraf Philipp versprach, seine Truppen vor Münster um 3500 Mann zu verstärken und die Verzeihung des Kaisers für den Landfriedensbruch nachzusuchen. Diese erfolgte, da Frankreichs Hoffnung, einen längeren Krieg in Deutschland anzuspinnen, vereitelt war, mit der gnädigen Mahnung, er möge sich künftighin als gehorsamen Reichsfürsten erzeigen.

Herzog Ulrich führte nun unter Philipps Beirath in seinem Lande die Reformation ein im Sinne der durch Bucer vorläufig festgestellten Einigung.¹) Die dadurch vermehrten Staatseinkünfte verwandte er besonders, um nach dem ihm zu Barle duc vorbehaltenen Recht des Wiederkaufs Mömpelgard zurückzuerwerben; der König von Frankreich hatte, da der Feldzug so schnell verlief, die festgesetzten Zahlungen nur zum Theil geleistet.

Durch diesen Feldzug erwarb sich der Landgraf von Hessen besondren Ruhm ²) und bleibendes Verdienst um die Zukunft eines deutschen Landes; auch Luther urtheilte über ihn mit höchster Anerkennung ³), und das Ziel seiner Entwürfe wurde im wesentlichen verwirklicht. Melanchthon regte alsbald die Fortsetzung der Verhandlungen über die Confessionseinigung an) und hielt im December 1534 mit Bucer eine Disputation zu Cassel; darauf ward im Mai 1536 zu Wittenberg die Concordie vollzogen.

¹) Ranke III, 346. vgl. 248. Als der aus Marburg gesandte Prediger Erhard Schnepf mit dem aus Constanz berufenen Blaurer den Sacramentsstreit erneuerte, schrieb ihm Philipp 31. August 1534(Rommel III, 69.):Lieber Meister Erhard, ich höre, Ihr wollet den Blaurer bei der Bekenntniss, die Luther und Philippus zufrieden, nit lassen, sondern auf sophistische Wort dringen, und haben viel Leute Sorge, dass Euer Bauen mehr brechen denn aufbauen möchte, welches ich mich doch zu Euch nicht versehn. Ist derhalb mein Bitt, Ihr wollet sanftmüthig fahren, nit ein Wortzanker sein, sondern den Glauben, Liebe und gute Werke treiben. Denn Ihr möget Eifer haben, da Ihr gern einen gewissen Verstand suchen wollt, die andern dahin zu dringen, und doch im Herzen nichts erlangen, daneben aber, menschlich zu reden, dem Evangelio grossen Nachtheil schaffen. In demselben Sinne hatte er kurz zuvor dem Herzog Albrecht von Preussen Rath ertheilt(Rommel III, 52 f.). Dem jungen Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg schrieb er beim Glückwunsch zu seinem Regierungsantritt(ibid. III, 70 f.): Wann sich E. L. allein verpflichtet, dem lutherischen Handel, oder wie das genannt mag werden, nit anzuhangen, da ist nit viel an gelegen, denn wir alle an den Personen und Namen nit hangen noch haften; dass aber E. L. das Evangelium lauter und rein nit predigen lassen sollte und den Ihren nit vergonnen predigen zu lassen, wird sich E. L. nit verpflicht haben.

2) Von ihm selbst bezeugt in einem der späteren vertrauten Briefe an Bucer, Zschr. des Vereins f. hess. Gesch. III, 127. Rommel(I, 372) versichert, ohne Belege anzuführen, dass Philipp seitdem den Beinamen des Grossmüthigen geführt habe. In gleichzeitigen Urkunden und Schriftstellern, z. B. Lauze, scheint derselbe nicht vorzukommen; jedenfalls ist er eine unrichtige Uebersetzung des Beiworts magnanimus, welches, vielleicht aus den zahlreich zur Verherrlichung des Feldzugs von 1534 verfassten lateinischen Gedichten stammend, urkundlich erscheint in der Inschrift des 1570 vollendeten Grabmals des Landgrafen(Rommel II, 666).

³) Luthers Aeusserungen aus verschiedenen Jahren in den Tischreden, angeführt bei Rommel II, 94 f.:Der Landgraf ist ein Kriegsmann, von Person klein, aber im Rath und Verstand mächtig und glückselig. Nach seinem Alter ein fürtrefflicher, freudiger Fürst, der ihm rathen und sagen lässt, guten Räthen bald weicht, Statt giebt und folgt. Und wenn's beschlossen ist, so säumt er nicht lange und exequirt's mit Fleiss. Darum wird er auch um solcher fürstlichen Tugend willen von den Widersachern gefürcht. Er hat einen hessischen Kopf und kann nicht feiern, er muss etwas zu thun haben. So traut und glaubet er auch nicht leichtlich; er führt viele Dinge an, und es gehet ihm hinaus.Gott hat den Landgrafen recht mitten ins römische Reich geworfen, denn er hat vier Kurfürsten um sich wohnen und die Herzoge von Braunschweig, und fürchten sich doch alle vor ihm. Das macht, er hat den gemeinen Mann an sich hangen, so ist er auch ein Kriegsmann. Ein anderes Mal sagte Dr. Luther vom Landgrafen, dass es ein Wundermann wäre, der ein sonderlich Glück und Stern hätte. Wenn er wollte vom Evangelium abfallen, so sollt er vom Kaiser und Papst erlangen, was er nur wollt; aber Gott hat S. fürstl. Gnaden bisher beständig erhalten.. 1

4) Brief Melanchthons an den Landgrafen, 16. Sept. 1534, aus dem Corp. Ref. II, 788 mitgetheilt bei C. Schmidt, Ph. Melanchthon, p. 318: E. f. Gn. wissen, dass ganzer Christenheit an diesem Artikel viel gelegen; so weiss ich, dass alle frommen Christen in Frankreich und England sich dieses Artikels halb hoch bekümmern, zudem dass unsre Uneinigkeit andern christlichen Sachen grosse Verhinderung bringt.... Ich halte, dass E. f. Gn. insonderheit hierin mehr schaffen können, denn viel ander Leut, bei beiden Theilen. Ich halt auch, E. f. Gn. Schriften sollten bei Dr. Luther mehr angesehen werden, denn deren, so bis anher noch davon mit ihm gehandelt haben. Alles auch, das mir möglich ist, will ich von Herzen gern thun, dass diese Sache zu christlicher Einigkeit gebracht werde, und wollt auf Erden nichts lieber sehn; Gott gebe Gnad dazu.

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