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jugendlichen Alter erhielt er in der Nähe von Stuttgart eine Anſtellung in einer Schule, die 300 Kinder zählte und die er längere Zeit allein mit Unterricht verſorgte. Auf einer ſeiner Reiſen in in⸗ und ausländiſche Inſtitute und Schulen lernte er den Kirchenrat Wolf in Frankenſtein jenſeits des Rheins kennen. Auf deſſen Veranlaſſung errichtete Roller daſelbſt eine Schule, die zuerſt 4 Knaben und 3 Mädchen umfaßte, bald aber durch die ſchnellen Fortſchritte der Schüler auf 70 Zöglinge heran⸗ wuchs. In dieſem Inſtitute bildete ſich zugleich eine Art Schul⸗ lehrer⸗Seminar, welches eine ſolche Bedeutung erlangte, daß im ganzen Arrondiſſement Kaiſerslautern kein Schullehrer angeſtellt wurde, der nicht von Roller ein Zeugnis ſeiner Tüchtigkeit bei⸗ brachte.„Das war,“ ſagt Roller ſelbſt,„ein Leben voll Thätig⸗ keit, Eifer und Freude in allem, was vorkam.“
In Frankenſtein heiratete Roller die Tochter des dortigen Notars Wiegand; dieſe Ehe war mit 10 Kindern geſegnet; doch war ſie nicht leidenfrei, da 3 Kinder in früheſter Jugend, 3 an⸗ dere ſpäter ſtarben, ein Sohn als Candidat der Theologie, ein Sohn als Pharmacie⸗Befliſſener, eine Tochter als junge Gattin und Mutter.—
Von hier aus, als er ſchon zwei eigene Kinder hatte, machte er noch im Jahre 1810 eine Reiſe zu Peſtalozzi nach Yverdon. Unbeſchreiblich war der Eindruck, den dieſes pädagogiſche Leben und Treiben auf ihn ausübte. Hier verweilte er den ganzen Frühling und Sommer und nennt ſelbſt dieſe Tage„die ſchönſten und wichtigſten ſeines Lebens“. Reich an Erfahrungen kehrte Roller nach Frankenſtein zurück; doch blieb er hier nur noch bis zum Jahre 1813, wo ein neuer Ruf der oberen Schulbehörde in Mainz ihn an das Gymnaſium in Worms verſetzte. Hier er⸗ richtete er zugleich ein„Frauenzimmerinſtitut“ für die Töchter der angeſehenſten Familien, eine Turnanſtalt mit großem Rufe und hier war es auch, wo ihm im Jahre 1820 die Vorſehung einen armen taubſtummen Knaben zum Uuterrichte zuführte. Die glücklichen Erfolge dieſes Unterrichtes ſind bereits oben erwähnt.
Am 8. Mai 1837 ſiedelte Roller mit ſeiner Familie und ſeinen taubſtummen Zöglingen nach Friedberg über, um hier ſein


