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Seine Dienſtinſtruction als demnächſtiger Director des erſten Großh. Taubſtummen⸗Inſtituts zu Friedberg erhielt Roller unterm 27. April 1837, im höchſten Auftrage vom Großh. Heſſ. Ober⸗Schulrat Heſſe.
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§ 4. Die Directoren der Anſtalt.
1. Georg Jakob Roller.
„Papa Roller“—„ſo nannten ihn nicht nur wir, ſeine Kinder,“ erzählt ſein Schwiegerſohn Director Dr. Matthias in einem Lebensbilde Roller’'s(Friedberg 1857),„nicht nur ſeine taubſtummen Zöglinge, nicht blos alle ſeine Schüler, ſondern ſo hieß er in Worms, in Friedberg und aller Orten bei denen, die ihn kannten.“ Wie anheimelnd klingen dieſe Worte:„Papa Roller!“ und da dieſe beiden Worte nach dem Vorhergeſagten ganz allgemein gebraucht wurden, ſo deuten ſie ohne weitere Erklärung ſchon den guten, liebenswürdigen Charakter eines Mannes an, den wir verehren, kennen lernen möchten, auch wenn er uns ganz ferne ſtünde.
Im Folgenden wollen wir verſuchen, ein Lebensbild Roller's zu zeichnen. Zu Grunde legen wir die Autobiographie Roller's (1774—1837) und deſſen mit Liebe aufgefaßte Lebeusbeſchreibung vom Director Dr. Matthias.(1837—1854.) Gerne würden wir beide Schilderungen, bei welchen alles intereſſant erſcheint, voll und ganz zum Abdruck bringen; allein um die Grenzen unſerer Aufgabe nicht erheblich zu überſchreiten, müſſen wir uns leider mit einem Auszuge begnügen, der aber, wie wir hoffen, immer noch das Bild Roller's in ſeiner wahren Geſtalt zeigen wird.
„Georg Jakob Roller iſt geboren den 4. März 1774 in der damaligen Oberamtsſtadt Wildberg im Königreich Württem⸗ berg. Schon dem Knaben war Frohſinn und Heiterkeit eigen, zwei Vorzüge, welche ihn bis in's hohe Greiſenalter begleiteten. Nach ſeiner Confirmation wurde ihm die Wahl zwiſchen dem Studium der Theologie und dem Schullehrerſtande frei gelaſſen; er wählte den letzteren Beruf, an welchem er ſchon als Schüler, indem er andere unterrichtete, Wohlgefallen fand. Im noch
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