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Werk der barmherzigen Liebe fortzuführen.— Arbeit, Freude, Ehre wurde an dieſem Orte dem alten Roller in reichem Maße zu Teil. Am meiſten freute ihn die Ernennung zum Doctor der Philoſophie:„Auf einen Geburtstag Vater Roller's, und zwar auf den 78. im Jahre 1851, war es, daß die philoſophiſche Fakultät iu Gießen ihm— scholae publicae ad surdos mutosque erudiendos Friedbergae institutae directori, multos per annos munera publica strenue summoque cum successu administrando, de patria ac literis meritissimo— das Diplom eines Doctors der Philoſophie und Magiſters der freien Künſte honoris causa überſendete und der Brief, welchen der damalige Dekan der philoſophiſchen Fakultät, Herr Profeſſor Freiherr Dr. von Liebig, an den Promovirten ſchrieb, gibt ein Zeugnis, wie man die Perſon und die Beſtrebungen Roller's in den höchſten wiſſen⸗ ſchaftlichen Kreiſen ehrte.“
Am 31. März 1854 trat Roller durch die Gnade des Großherzogs„unter Anerkennung der treu geleiſteten langjährigen Dienſte“ in den wohlverdienten Ruheſtand. Seine letzten Lebens⸗ jahre(1854— 1857) verlebte er glücklich und zufrieden, wenn auch ziemlich leidend, in Darmſtadt. Endlich nahte ſein Ende: Es war am 27. Februar, gegen Abend, 4 Uhr, als er, wie Dr. Matthias berichtet,„ſanft und ſelig unter den Gebeten der Seinigen in ein beſſeres Leben hinüberſchlummerte.“
2. Dr. Ludwig Chriſtian Matthias.
Nachdem Dr. Roller in den wohlverdienten Ruheſtand ge⸗ treten war, wurde Dr. Ludwig Chriſtian Matthias in Folge allerhöchſten Dekrets vom 16. September 1854 zum Director des Großh. Taubſtummeninſtituts ernannt. Er war ein Maun von hoher Energie, von großer Umſicht, von vielſeitigem Wiſſen und ſcharfem Verſtande. Um eine Vorſtellung von ſeiner vielſeitigen Wirkſamkeit zu geben, möge es uns geſtattet ſein, ſeine Stellungen und Auszeichnungen der Reihe nach anzuführen:
Ludwig Chriſtian Matthias war Doctor der Philoſophie und Magiſter der freien Künſte, Director des Großherzoglich Heſſiſchen Taubſtummen⸗Inſtituts zu Friedberg, Ritter I. Klaſſe des Philipps⸗Ordens,


