Aufsatz 
Festschrift zur Jubiläumsfeier des 50jährigen Bestehens des Großherzoglichen Taubstummen-Instituts zu Friedberg : 21. Mai 1887 ; und als Einladung zu derselben / hrsg. von Wodaege
Entstehung
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hat die Anhänger der dentſchen Methode nicht müde und nicht matt werden laſſen. Und endlich iſt dieſen Beſtrebungen der Sieg über den ganzen Erdkreis zugefallen.

Wohl mochte es den auf der Pariſer Weltausſtellung im Jahre 1878 alſo genau 100 Jahre nach S. Heinicke's Auftreten in Leipzig verſammelten Taubſtummen⸗Lehrern Frankreichs aus nationalen Gründen ſchwer werden, die deutſche Methode auch in Frankreichs Taubſtummen⸗Anſtalten zur Einführung zu beſchließen; doch ſie haben dem Guten und Wahren die Ehre gegeben, wenn man ſich auch hie und da mit der Aus⸗ rede tröſtete, daß doch eigentlich ein Romane, der ſpaniſche Mönch Pedro de Ponce, nicht ein Deutſcher(Dr. Ammann) die Lautirmethode für Taubſtumme erfunden habe. Mag ſein! Wir auf unſerem Standpunkte erkennen auch an dem Feinde rückhaltlos das Gute an, und um ſo mehr, wenn es der leidenden Menſchheit zum Heile gereicht.

Die deutſche Methode iſt alſo nach 100jährigem ſieg⸗ reichen Kampfe gegen alle Gegner die alleinherrſchende geworden; wo auch immer in aller Welt ein Taubſtummer ſeinen Mund zum Sprechen aufthut, da deutet jedes geſprochene Wort auf Deutſchland, auf die großen Verdienſte Samuel Heinicke's hin.

Mit Dank gegen den allbarmherzigen Gott ſprechen wir es freudig aus, daß er neben den glänzenden Heldenthaten unſerer Heere auch die ſtille deutſche Arbeit der Cultur an den unglück⸗ lichen Taubſtummen der ganzen Erde ſo ſichtbar geſegnet hat.

In allen Ländern der Erde mag es zur Zeit faſt 1 ½ Mil⸗ lionen Taubſtummer geben; von dieſer gewaltigen Zahl kommen auf Europa allein etwa 250,000 und auf Deutſchland ungefähr 30,000. Selbſtverſtändlich ſteht die Zahl derjenigen, welche im bildungsfähigen Alter ſich befinden, viel tiefer. Deutſchland mag der im Schulalter ſtehenden Taubſtummen nahezu 6000 zählen: Und 95 Taubſtummen⸗Anſtalten öffnen ihre Thore, um ihr humanes Werk an dieſen Armen zur Ausführung zu bringen. Allerdings nimmt manche Anſtalt nur wenige Zöglinge auf, ſo daß noch eine traurige Reihe von Hunderten dieſer Unglücklichen ſelbſt in Deutſchland! ohne jeglichen erziehlichen Unterricht dahinlebt. Doch müſſen wir geſtehen, daß bereits viel, viel