Aufsatz 
Lucian in der Literatur und Kunst der Renaissance / von Paul Schulze
Einzelbild herunterladen

er

in den verschiedenartigsten Aufgaben erprobt, wie er dies an des Zeuxis wunuengenilde nähen erläutert.(Zeux. c. 5.)>

Das Bewußtsein freilich, daß nicht nur für die griechische Kunstgese ‚sondern auch für die darstellenden nstler selbst aus Lucian gar viel zu|' gelehrten Mittelalter vollständig abhanden gekommen; seitdem aber der florentinis Kunst- kritiker Leo Battista Alberti in seinem Traktat über die Malerei(1435) auf Lucian als eine Fundgrube insbesondere für die Maler nachdrücklich hingewiesen hatte, wurden die bekanntesten seiner Schilderungen auch Vorbilder für die Künstler der Renaissance. Alberti sagt nämlich im III. Buche seiner Schrift?®) folgendes:Man lobt jene Beschreibung, welche Lucian von der Verleumdung gibt, die von Apelles gemalt wurde. Es scheint mir nicht außerhalb meines Themas zu liegen, sie hier wieder zu erzählen, um die Maler aufmerksam zu machen, welche Sorgfalt sie auf die Erfindung zu wenden haben. Sodann folgt eine knappe Beschreibung jenes allegorischen Gemäldes im Anschluß an den Text Lucians. Doch hören wir diesen selbst!

In seiner Schriftüber die Verleumdung(zepi od u) paölos mıoresewv d1aßoAn) erzählt Lücian, wie der berühmte Apelles aus Ephesus, von einem seiner Kunstgenossen beim Könige Ptolemaeus heimtückisch angeschwärzt, nur mit Mühe dem Zorn des argwöhnischen Fürsten entgangen sei und seine eigene Gefahr in einem Gemälde veranschaulicht habe, das folgendermaßen beschrieben wird(c. 5):

Auf der rechten Seite sitzt ein Mann mit langen Ohren, die fast denen des Midas gleichen; seine Hand streckt er nach der von ferne auf ihn loskommenden Verleumdung(LıaßoA)) aus; um ihn herum stehen zwei Frauen, die Unwissenheit(Ayvoıa), so dünkt mich, und die Ver- dächtigung(7roAnyıs). Von der anderen Seite schreitet die Verleumdung selbst heran, eine Frauengestalt von übermäßiger Schönheit, etwas hitzig und von Leidenschaft erregt(ydraıov eis ÖrepßoAtv maynakov, broIepuov Öb nal mapanenırnaevov), wie eine, die Wut und Zorn zum Ausdruck bringt; in der Linken hält sie eine brennende Fackel, mit der Rechten schleift sie an den Haaren einen Jüngling heran, der die Hände zum Himmel emporstreckt und die Götter zu Zeugen anruft. Voran aber geht ihr ein bleicher, häßlicher Mann(dvmp@ypds nal duopgos) mit hartem Blick und ähnlich denen, die von langer Krankheit abgezehrt sind; dieser, so möchte

.* 4\ r 1*° man vermuten, ist der Neid(®90vos). Indessen noch zwei andere Begleiterinnen folgen, welche

die Verleumdung aufmuntern, emsig um sie beschäftigt sind und sie schmücken. Wie mir aber der Erklärer des Bildes erläuterte, war die eine etwa die Nachstellung(ErıßovAn), die andere die Täuchung(Azarn). Hinter ihnen folgte ganz in der'Tracht einer Trauernden eine Frau mit schwarzem, zerzaustem Gewande, das sollte die Reue(Meravoıa) sein; wenigstens wandte sie sich unter Tränen rückwärts und blickte so recht voller Beschämung auf die herankommende Wahrheit(rivAANJeıav mpooWwVoav Ür£ßAsrev)'. Soweit Lucian.

In den Berichten der sächsischen Akademie der Wissenschaften vom Jahre 1853 hat O. Jahn dies Gemälde, dessen Gegenstand eine frostige Allegorie sei, dem großen Apelles abge- sprochen und die Beschreibung für eine kühne Erfindung Lucians erklärt; ihm hat sich später auch H. Blümner angeschlossen.*®) Allein abgesehen davon, daß der ganze Gegenstand;mit den Gestalten voll Leben und Bewegung wohl geeignet war, der Vorwurf auch eines so hervorragenden Malers zu werden, liegt kein Grund vor zu der Annahme, als habe Lucian die Erzählung von der Gefahr des Apelles einfach aus der Luft gegriffen; sicherlich darf aus dem Schweigen ander er Schriftsteller hierüber kein Schluß gegen Lucians Glaubwürdigkeit gezogen

3) vgl."Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik, herausgeg. von Eitelberger und Edelberg,

Heft XT: Leone Battista Albertis kleinere kunsttheoretische Schriften von H. Janitschek 8. 144. 29) Vgl. Arch. Stud. zu Lucian, 8. 41.

Si, MR