19
Lehrer und Schüler betheiligten sich sodann an dem Festgottesdienste, dem Festzuge und theilweise an den Vergnügungen auf der Masche.
Die Michaelisferien fielen in die Zeit vom 30. September bis zum 15. Oct. Mit Beginn des Winterhalbjahres, am 16. October, erfolgte die Einführung des ord. Lehrers H. O. Be- necke aus Herrhausen, Herzogth. Braunschweig, welcher der für Ostern erfolgten Berufung an unsere Anstalt nicht eher hatte Folge leisten können.
Ludwig Otto Benecke, geb. den 5. Mai 1847 zu besuchte das i zu Hol- u. studirte von Michaelis 1866 bis Ostern 1870 in Göttingen Philologie. Nach dem im Mai 1870 abgelegten Staatsexamen wurde er vom Grossherzogl-Strelitzschen Consistorium berufen, die Stelle des erkrankten Pro- fessor Ladewig am Gymnasium zu Neu-Strelitz zu vertreten, musste aber bei Ausbruch des deutsch-französi- schen Krieges diese Stellung aufgeben, um als Einj. Freiwilliger in das Kriegsheer einzutreten. Von Michaelis 1871 bis Ostern 1872 war er an dem Collegium zu Ober-Ehnheim im Nieder-Elsass thätig, ging von da an das Gymnasium zu Erfurt über und wurde Ostern 1873 an die Klosterschule zu Rossleben berufen, wo er erst als Hülfslehrer, seit 1874 als Adjunet verblieb. Von hier ging er an die hiesige höhere Lehranstalt über.
Am 20. October fiel die Schule aus, da die Urwahlen zum Abgeordnetenhause statt- fanden.
Vom 15.—18. November unterzog im Auftrage des H. Ministers H. Provinzialschulrath Dr. Göbel aus Magdeburg die Anstalt einer eingehenden Revision, indem er Gebäude u. Sammlungen besichtigte und in den einzelnen Classen von dem Wissen der Schüler genaue Kenntniss nahm. In einer Conferenz am 18. Nov. theilte uns der H. Schulrath zu unserer grossen Freude mit, dass er einen nicht ungünstigen Eindruck erhalten habe und gab uns lehrreiche Winke zu weiterer Vervollkommnung der Anstalt. Es sei gestattet, auch an dieser Stelle Herrn Schulrath Dr. Goebel den wärmsten Dank des Lehrercollegiums auszusprechen.
Um dieselbe Zeit beschlossen die städt. Behörden, auch die äusseren Bedingungen, an welche der H. Minister die Anerker als ProN lium geknüpft hatte, zu erfüllen und den Lehrern den sog. Normaletat und Wohnungsgeld-Zuschuss zu bewilligen. Durch dieses Vorgehen ist nun die Zukunft der Anstalt für alle Zeit sicher gestellt; möge der opferfreudige Sinn in einem frischen Emporblühen der Anstalt seinen Lohn finden.
Leider müssen aber mit Durchführung dieser Massregel die bisher in allen Stunden getrennt unterrichteten beiden Abtheilungen der Tertia in den meisten Stunden zusammen- unterrichtet werden, da die 2 wissenschaftlichen Hülfslehrerstellen in Wegfall kommen.
Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. December bis zum 3. Januar.
Am 10. Januar fiel die Schule der Reichstagswahlen wegen aus.
Der Gesundheitszustand der Lehrer u. Schüler war sehr befriedigend; durch Krankheit oder andere zwingende Verhältnisse waren fern gehalten: H. Dr. Schinck 5 Tage, H. Handrick 2 Tage, H. Oelze 6 Tage, H. Dr. Rehdantz 16 Tage, H. Brunotte 1 Tag, der Rector 1 Tag.
Endlich ist noch zu berichten, dass das Lehrercollegium eine„Unterstützungskasse für bedürftige Schüler“ ins Leben gerufen hat und der Statutenentwurf dem K. Provin-
ialschulcollegi zur Genel Ibar unterbreitet ist. Die Casse, welche z. Z. 3


