III. Der dritte und letzte Abschnitt dieses Capitels soll uns einen Schritt weiter Homoeete-
bringen, aber einen Schritt, zu welchem wir als einer nothwendigen Consequenz unserer bi herigen Bemerkungen geführt werden. An sie schliesst sich dieser letzte Theil als Schluss- und zugleich Prüfstein an. Denn venn die zu Grunde gelegte Gliederung des Distichons in 4 Reihen(resp. noch eine Halbreihe) von den Dichtern beim Versbau beachtet ist, von den Lesern und Hörern gefühlt und deshalb mit Recht zur Grundlage metrischer Forschung ge- nommen vwird; wenn ferner die Wortstellung verlangt, dass betonte Worte, mögen sie gleichen Stammes oder irgendwie auf einander l isend, oder hhörig sein, an das Ende der Reihen(oder der Halbreihe) treten, um einerseits selbst hervorgehoben zu wer- den, andrerseits auch die Glieder der Strophe gegenseitig auf einander hinzuweisen und eben- so zu sondern als zu verbinden; wenn, sage ich, diese unsere früheren Ausführungen richtig sind: so konnte es gar nicht ausbleiben, dass bei den zahlreichen gleichen PFlexionsendungen am Ende der Reihen(resp. der Halbreihe) ein Gleichklang herbeigeführt wurde; so unterliegt ees keinem Zweifel, dass diese gleichen Ausgänge vom Dichter nicht bloss nicht vermieden, sondern zum mindesten zugelassen, dass sie von den Lesern und Hörern empfunden, dass sie von uns mit Recht als ein Schmuck und Band der Reihen(und der Halbreihe) unter sich be- zeichnet und aufgefasst wurden. Wir gehen aber weiter und behanpten, dass diese Gleich- klänge am Ende der Reihen(resp. der Halbreihe) vom Dichter nicht bloss zugelassen, son- dern gesucht, vom Publikum nicht bloss empfunden, sondern als gefüllige und dem Ohre schmei- chelnde Beigabe der Dichtung begehrt und ungern vermisst wurden.
Es stehen sich, wenn ich nicht irre, in dieser Frage 2 Ansichten schroff gegenüber: nach der einen heissen alle gleichen Ausgände in dem Verse oder der Strophe Reime und zwar Mittel-, Binnen-, Endreime, verschränkte oder gehüufte Reime; nach der au- dern wird jede Aehnlichkeit der Homoeoteleuta mit dem modernen Reime bestritten und das Vorkommen derselben lediglich von der überaus grossen Menge gleicher Endungen im Latei- nischen abgeleitet. Beide Ansichten scheinen zu weit zu gehen, beide nur zum Theil Recht zu haben. Die erstere, jetzt weit überwiegende, behauptet mit Recht das Vorhandensein eines Spieles mit gleichen Endsilben im Distichon; die zweite leugnet mit ebenso grossem Rechte, dass alle im Verse vorkommenden gleichen Ausgünge der Worte reimähnlich gehört und ge- sucht wurden. Denn wenn einmal zahllose gleiche Endungen und zwar meist von langer Quantität, in der Sprache existiren, so sei es ganz unmöglich gewesen, sie irgendwo zu ver- meiden, von einer bewussten Absicht des Dichters könne dabei durchaus nicht die Rede sein.
Was wir davon für richtig halten müssen, ergiebt sich eigentlich aus unsern früheren Bemerkungen von selbst. Eben die grosse Menge gleicher Endungen nöthigte die Dichter zur äuf tt, durch ihre unmittelbare Aufeinanderfolge Uebelklänge zu ver- meiden. Dies erreichte man dadurch, dass man die Worte mit gleichen Endungen auf zwei Reihen oder doch Halbreihen vertheilte und so durch die Cäsur oder Nebencäsur trennte. Wie störend die unmittelbare Folge gleicher, wenn auch in der Quantität verschiedener Wort- ausgänge selbst auf unser bei weitem nicht mehr so fein fühlendes Ohr) wirkt, möge folgendes Disti-
*) Vergl. dariber G. Gerder-(die Sprache als Kunst, II Bd. 1 H. S. 154 ff. A.) Excurs gegen Lehrs. Der gauae Abschnitt„Pituren des Glsichklanges und der Kuhhomis, ist von mir beuntat, und ich ergreite mib Preuden die it, einem um mich hoc Maune dgenthch meinen Daub für di dadurch ewpfangene Anretuug und Belehrung auszusprechen.
leuta.


