die Arsis des letzten Fusses auf ein mehrsilbiges Wort verlegte und dadurch derselben starke Betonung verlieh, während die einsilbige Thesis— natürlich immer vocalisch lang oder con- sonantisch geschlossen— sich unverbunden anhängt und nur durch besondere Hervorhebung B g erhält. Sä che Beispiele dieser Art, die ich gefunden habe, sind folgende: 1 bei Tibull— 1, 3,35(prius quam, besser in ein Wort zu schreiben); 1 bei Properz— III, 20,15(limine amér, qui; 5 bei Ovid, sümmtlich in den Tristt. und Epp. ex P.— zweimal apüd quos(Trist. II, 433 und E. P. I, 3,81), satisque est(kaum hierher zu rechnen; E. P. I. 7,23) quibüs nos(E. P. IV, 9,101¹), Aoniüs fons(E. P. IV, 2,47); 7 bei Catull— 66,63 (deum me), 91(tuäm me); 68,19(mihi mors), 33(apüd me); 107,5(xeférs te); 112,1(homöst qui); 115,3(potis sit). Keinen rhythmischen Anstoss dagegen konnte es erregen, wenn die letzte Arsis auf ein einsilbiges Wort fiel, dem dann die einsilbige Thesis, ausnahmslos auch hier natürlich lang oder consonantisch geschlossen, meist in engem Zusammenhange nachfolgt. Wenm trotzdem Verse, welche mit 2 ilbigen Wörtern abschlie verhältnissmässig selten sind— bei Tibull nur 3mal, etwas häufiger bei Catull und Properz, in den Amor. und der Ars des Orid nur je Zmal, ein wenig häufiger in seinen übrigen Schriften—, so hat das den metrischen Grund, dass man den Versausgang nicht zu sehr zerschneiden darf und dass man eine Hauptpause in der Strophe nicht gut nach unbed, den und vichtigen Wörtchen machen konnte. Daraus geht hervor, dass Verse, in denen unmittelbar andre kurze und unbetonte Wörter vorhergehen, nur sehr selten geduldet werden(C. B. quod jam tibi de me Tib. IV, 10,1).
4) Wie man auf diese Weise die Reihe nicht gern allzusehr zerstückelte, so ver- schmähte man auch andrerseits allzulange, jede Gliederung ausschliessende Wörter am Aus- gange des Verses. Wenn mir nicht ein Beispiel entgangen ist, so wird der 5te und éte Fuss überhaupt nur 7mal durch ein einziges Wort gebildet, davon ohne Entschuldigung 2mal(Cat. 97,5 sesquipedalis; Prop. III, 21,15 increpitarent), 5mal mit Eigennamen(Cat. 68,105 Laoda- mnia; Prop. I, 8,35 Hippodamiae; Ovid Her. IX, 131 Deianira; Fast. IV, 471 Pantagienque, 475 Tauromenenque).
5) Man hütete sich also, den gleichmässigen Fluss der Reihe durch allau starke Be- tonung einer Arsis zu unterbrechen: umgekehrt vermied man es aber auch, durch Mangel an jeder Gliederung zu leicht und lose zu bauen. Man wird also Reihen wie
Et] dulcis] tibia cantu nicht zu oft und selten auch im drittletzten Fusse daktylisch, wie 6 Tua] qui ferus otia] liquit begegnen. Denn trotzdem die Nebencüsur am Ende des vierten Fusses einen gewissen Halt gewährt, so schienen solche Reihen doch gefälliger, an denen auch die Wörter sich unter einander wenigstens einmal zu Füssen ergänzen. Neben dieser Rücksicht wirkt auch hier das Streben nach ansprechendem Wechsel im Rhythmus ein. So sind Verse mit zweimal schwe- bendem Rhythmus, wie(Tib. I, 9.
resolutus amore Tibullus nicht oft zu finden. Allen dabei in Betracht kommenden Gesichtspunkten am meisten zu entsprechen und darum am gewöhnlichsten vorzukommen scheinen folgende Beispiele: I. Hephthemimeres Hauptcäsur: Nunc levis est tractanda Venus] dum frangere postes. Perte et opes: ego composito] securus acervo. Hic ego dux milesque bonus:] vos signa tubaeque. 3


