So kommen wir zu dem Resultat, dass fast überall der Einschnitt nach dem êten, noch mehr dem 1ten und 2ten zusammen, nur ein äusserlicher und metrisch ohne Anstoss ist, und dass das seltene Vorkommen dieser Absonderung nicht sowohl aus metrischen, als vielmehr aus dem sprachlichen Gesichtspunkte zu erklären ist, weil man es zu vermeiden suchte, eine grössere Anzahl kürzerer und tonloser Wörter auf einander folgen zu lassen. Metrisch kann nur da Anstoss genommen werden, wo die Beziehung dieser Wörtchen nicht sofort deutlich ist und die Gliederung der Reihe darum nicht scharf hervortritt. Reihen ganz ohne Gliede- rung, weil aus einem Worte bestehend, sind sehr selten und fast nur bei Eigennamen zulässig — Ausnahme z. B. Ovid Ibis 170 insatiabilibus.—
Somit zeigt sich fast ausnahmslos das Bestreben, die erste Reihe durch Gliederung der Wörter zu Füssen so zu bilden, dass die Zusammengehörigkeit der Füsse und damit die Ein- heit der Reihe hörbar wird.
Diese Gliederung kann aber sehr verschiedenartig sein und der in sich abgeschlossenen und einheitlichen Reihe verschiedenartigen Rhythmus verleihen. Da nun diesem ersten Gliede wie wir im ersten Kapitel gesehen haben, nach seiner Stellung im Verse steigender Rhythmus zukommt, so muss die Gliederung in der Reihe derartig sein, dass der ursprüngliche Charak- ter derselben nicht geführdet und beeinträchtigt, sondern unterstützt und hervorgekehrt wird.
Ohne jede Steigung innerhalb der Reihe— denn im Ausgange bleibt ihr dieser Charakter durch die männliche Cäsur überall gewahrt— sind nur die Verse, in denen die bei- den Füsse durch eigene daktylische oder spondeische Wörter gebildet sind.
Aber schon wo ein Fuss sich in 2 Wörter theilt, muss man unwillkürlich die Thesis näher zu dem folgenden Fusse ziehen, selbst dann, wenn sie durch ein Komma von demselben getrennt ist. Dadurch aber wird der scheinbar fallende Rhythmus des ersten Fusses zur Steigung für den zweiten. Noch deutlicher natürlich tritt die Steigung des Rhythmus da hervor, wo auch innerhalb der Reihe ein Wort auf die Arsis ausgeht und am deutlichsten, wo alle 3 Arsen der Reihe— wir sprechen hier nur von Reihen mit der Penthemimeres — qurch Wortausgänge bezeichnet sind. So würden Verse letater Art dem Charakter der Reihe am meisten zu entsprechen scheinen und darum n. am müssen, wenn nicht ausser der Wahrung des steigenden Charabters noch 2 andere Gesichts- punkte bei dem Bau dieser Reihe massgebend wären: 1. das Bestreben, die grössere oder die geringere Lebhaftigkeit der Darstellung auch metrisch zum Ausdruck zu bringen; 2. das Bestre- ben, nicht bloss in dem Bereiche mehrerer Strophen und innerhalb desselben Distichons, son- dern auch innerhalb derselben Reihe den gleichen rhythmischen Tonfall zu vermeiden. Beide Rücksichten, verbunden mit dem Bedürfniss, den steigenden Charakter der Reihe zu bewahren, wirken zusammen dahin, dass am häufigsten solche Verse wiederkehren, in denen die Arsis zweimal auf ein Wortende füllt, aber die beiden dadurch entstehenden Theile der Reihe sich nicht gleichmässig gliedern. Die folgenden Beispiele, sümmtlich aus Ovid Amor. I, 1 entnom- men, werden das Gesagte verdeutlichen:
Arma gravi numero Par] erat inferior]
Quis] tibi saeve puer Quis] probet in silvisi*)
* Der auf die Arsis nach„in“ fallende Einschnitt bleibt unbeachtet, well die Pruposition eng au dem Nomen gehört.


