Aufsatz 
Nachrichten über die Augustiner-Schule zu Friedberg in Hessen / von Ph. Dieffenbach
Entstehung
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der Kaiſer, Koͤnige u. ſ. w. in ſchlechten Gedächtniß⸗ Verſen auswendig lernte. Dadurch bekam er zwar die Reihenfolge der Fuͤrſten in ſein Gedächtniß; aber die Geſchichte ſelbſt gieng fuͤr die Jugend verloren; ſie hoͤrte auf, die ernſte Lehrerinn und Mahnerinn der Menſchen zu ſeyn*). Hatten die Lehrer zwanzig, dreißig Jahre den Schulſchlendrian mitgemacht, ſo nahm Alter und Bequemlichkeit ſie gegen eine allenfallſige Neuerung ein, wenn ſie auch, was ſelten war, von oben gerne geſehen wor⸗ den wäre**). Um wiſſenſchaftlich fortzuſchreiten, dazu fehlte es ihnen an Zeit, oder an Mitteln und, waren ſie alt geworden, auch an Luſt. Gewohnheit und verkehrte An⸗

*) Hier ſind einige Verſe, die den älteren Perſonen wohl noch aus Hübner bekannt ſeyn werden: Sobald der Höchſte nun das Waſſer abgeleitet, Hat Noae Kleeblatt ſich auf Erden ausgebreitet: 2, Sem bleibt in Asia, Ham geht nach Kanaan und Japhet ſieht, wie er Kuropa pflanzen kann. Den Aſſur zeuget Seem, von dem Afſyrer kom⸗ men ꝛc.

Oen Jukum ſieht Rom als erſten Kaiſer prangen, Bei dem Augusto iſt der Welt Licht aufgegangen, Tiberius ſeufzt ſehr, bei ihm der Heiland ſtirbt, Caligulae Verſtand ein Liebestraͤnk verdirbt,

Der Clandius ſindt Gift in ſeinem liebſten Eſſen, Nerovis Rabenſinn kann Muttertreu vergeſſen,

Der Galba ſtirbet gern, Otho vergieſ't ſein Blut, Vitellins frißt viel, Vespasian iſt gut. ꝛc.

Sapienti satl 4

¹. 1*) Als Roth im Jahr 1792 die deutſchen Gebete ſtatt der lateinl⸗ ſchen einführte, hatte er viele unannehmlichkeiten zu dulden..