Aufsatz 
Nachrichten über die Augustiner-Schule zu Friedberg in Hessen / von Ph. Dieffenbach
Entstehung
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keit für alles Beſtehende*). Da war und blieb denn die Schule einer alten Moͤnchſchule aͤhnlich. Die Schuͤler beteten lateiniſch und wenn ſie die Gebete nur auswendig wußten, ſo kam's nicht darauf an, ob ſie ſolche verſtan⸗ den und ſich erbauten oder nicht**). Der ganze Reli⸗ gions⸗Unterricht beſtand im Auswendiglernen von eini⸗ gen Hunderten lateiniſcher Verſe. Die Aufſaͤtze, wenn ja welche gemacht wurden, waren in die alte ariſtoteliſch⸗ ſcholaſtiſche Form eingezwengt, an welcher auch nicht ein Jota fehlen durfte. Die Geſchichte der vier Weltmonar⸗ chien wurde in ſoweit dozirt, als der Schuͤler die NRamen

*) Raguſa, wo einſt bei öffentlicher Verſammlung einem Raths⸗ herrn der Theil ſeines Mantels abgeſchnitten wurde, welcher über die geſetzliche Länge war, liefert nicht das einzige Beiſpiel. In Friedberg erhub ſich im Jahr 1753 ein heftiger Streit, well ein Gartenverkauf nicht vorher öffentlich angezeigt war. Die Folgen waren wichtig, denn der Burggraf, der alte Feind der Stadt, hatte das Grundſtück an ſich gebracht.

**) Hier iſt ein Verzeichniß einiger Schulgebete vom Jahr 1650. 1) Pater noster etc.. 2) Omnipotens, acterne, vire ac vere dens, dixisti in verbo tuo: Viro ego, ego nolo mortem pecratoris etc. 3) Sie dens dilexit mumdum otc. 4) Sanguis domini nosti ete. 6) Venite ad me omnes etc. 6) Turbahor sed non perturhabor etc. 7) Jesus laetitia ete. 8) Vivo tibi moriorque tibi etc. 9) Stve cibum carpo ete. 10) Vespera jom venit, nobiscum Christe maueto eto. 11) Da pacoin domine etc. 12) Domine quando veneris judicare terram etc.