Aufsatz 
Nachrichten über die Augustiner-Schule zu Friedberg in Hessen / von Ph. Dieffenbach
Entstehung
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Selbſt das mag fruͤher zuweilen unguͤnſtig auf die Schule gewirkt haben, daß bei der Wahl der Lehrer Be⸗ kanntſchaft und Verwandtſchaft mehr Einfluß hatte als Kenntniß und Geſchicklichkeit. Wenn aber auch Friedberg in neuerer Zeit davon kein Beiſpiel aufſtellt, ſo wirkte auf der andern Seite der Umſtand äußerſt verderblich, daß man diejenigen Lehrer, welche in ihrem Amte ergraut waren, und welchen alles Feuer, das der Unterrichtende bedarf, gaͤnzlich abgieng, nicht ebrenvoll in Nuhe ſetzte und ihnen die Abende ihres Lebens erleichterte. Es fehlte aber an Fonds, die Lehrer penſioniren zu können, und wer etwas verdienen wollte, mußte arbeiten. Wehe dem Staate, welcher nicht erkennt, daß ein Mann, der 30 bis a0 Jahre ſeines Lebens dem Unterrichte gewidmet, verdient, auf öffentliche Koſten ernaͤhrt zu werden. Der Schaden trifft die junge Generation: denn wie der Leh⸗ rer in jugendlicher Kraft die Schule hebt, ſo zieht der matte Greis ſie mit ſeinem ſich ſenkenden Haupte wieder herab, und es ſind nur ſeltne Ausnahmen, daß ein Leh⸗ rer das ihm noͤthige Feuer bis zu ſeinem Greiſenalter behielt. 3

Friedberg hat ſich durch Beibehaltung ſeiner zu be⸗ jahrten Lehrer ſichtbar geſchadet, wenn man's auch nur von der Seite betrachtet, daß ſolche Maͤnner einer jeden AÄnderung, ſey ſie auch noch ſo heilbringend, gewoͤhnlich gram ſind. Republiken(und dazu kann man doch wohl Neichsſtädte rechnen) haͤngen ohnehin gerne am Alten; ſie ſehen in jeder Neuerung ein Eingreifen in ihre Rechte. Ihre Freiheiten haͤngen auch wirklich oft von ſcheinbaren Nebendingen ab, und darum erklärt ſich ihre Wachſam⸗