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ſich damit nicht befaſſen konnte und mochte, ſo wählte
er(aus ſeiner Mitte) einige Maͤnner, Scholarchen, welche die ſpezielle Aufſicht haben und uͤber die Anſtalt von Zeit zu Zeit, beſonders bei wichtigen Vorfällen, referi⸗ ren ſollten. Weil nun bei ſolchen Wahlen ſelten die Kenntniß vom Erziehungs⸗ und Unterrichtsweſen beruͤck⸗ ſichtigt wurde, die Scholarchen oft ganz verkehrte Mas⸗ regeln ergriffen; ſo ſahen die Lehrer uͤberall nur Hinder⸗ niſſe; ſie mußten ruhig uͤber ſich verfuüͤgen laſſen und nicht einmal der Rector, bei welchem doch die tiefſte Kennt⸗ niß der Schule vorauszuſetzen war, brauchte gehoͤrt zu werden, da er kein Mitglied des Scholarchats war.— Dazu kam nun noch von Seiten der Regierenden die kleinlichſte Eiferſucht auf ihre Macht, die in Republiken immer groͤßer iſt, als ſelbſt in einer despotiſchen Mo⸗ narchie. Nicht ſelten wurde dadurch den Lehrern ihr Amt verleidet; ja ein kleines Verſehen hatte zuweilen den Verluſt des Amtes zur Folge 0.
*) Ein ehemaliges Rathsglied, Arnold, hat in ſeinem Notizen⸗ buche Folgendes angemerkt:„Den 17. May 1656 ſchrieb der“ Pfarher von Melbach an Hrn. Mag. Schilt umb Erlaſſung etlicher Jungen, welche bei der Kindtauffe zu Steinfurt ſingen ſolten, M. Schilt aber referirt ſolches dem Hrn. Burgermei⸗
ſter. Weil aber der Pfarher an M. Schilten allein ge⸗ ſchrieben vndt nicht an meine Herrn, iſts ihm abgeſchlagen worden, doch wann er an meine Herrn ſchriebe umb Er⸗ raſfung, ſolt es nicht abgeſchlagen werden.“—
Ja am 25. Sept. 160à wurde der damalige Rector, M. Konrad Fliccius ſeines Amtes entſetzt, weil er mit Nicht⸗ achtung des ſtädt. Magiſtrats dem Vurggrafen ein Gedicht ge⸗ ſchrieben hatte.


