Aufsatz 
Nachrichten über die Augustiner-Schule zu Friedberg in Hessen / von Ph. Dieffenbach
Entstehung
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2⁵ ſichten machten ſie nicht ſelten ſo hart, daß ſie des Ju⸗ gendlebens gar nicht mehr gedachten*). Dazu kam nun endlich noch, daß dem Rector nicht Macht genug gegeben war, auf alle Klaſſen gebuͤhrender Maßen einzuwirken. Jedes Einmiſchen deſſelben in die beiden niederen Klaſſen wurde als ein Eingreifen in die Rechte der uͤbrigen Leh⸗ rer angeſehen. Der Muth mußte ihm ſinken; er hoͤrte endlich auf, ſich um das Ganze zu bekümmern, oder es zu überſchauen, und eine natuͤrliche Folge davon war, daß die Klaſſen in drei beinahe von einander unabhaͤngige Schulen zerſielen, in welcher jeder Lehrer that, was er wollte, wenn ihm nur der Scholarch nicht gram war. Als nun im Jahr 4810 der Subconrector ſtarb, ſchien ſeine Stelle wegen Mangel an Schuͤlern nicht niehr noͤ⸗ thig; zwei Schulen waren ja genug, und deswegen wurde das Subconrectorat ſupprimirt. Darf man ſich wun⸗ dern, wenn zuletzt die Beſtimmung der Anſtalt ganz ver⸗ geſſen war?

Indeſſen muß man geſtehen, daß es der Schule doch

auch nicht ganz an Theilnahme fehlte und wenigſtens 3 Verſuche gemacht wurden, ſie in eine dem Staate heil⸗ ſame Bildungs⸗Anſtalt zu verwandeln. Im Jahr 41754 (d. 6. Maͤrz) fand eine feierliche Schul⸗Viſitation ſtatt, wobei ſich der damalige Burggraf von Breidenbach, der Syndikus Mader, Kanzleirath Helmolt, Rath Schatzmann, die beiden Geiſtlichen und zwei Raths⸗ herrn einfanden. Bald darauf(b. 5. April) wurde der

*) Hierüber nur ein Beiſpiel: Ein Lehrer ſpannte einſt drei Schl⸗ ler in den ſ. g. polniſchen Bock, weil ſie auf dem Eiſe ge⸗ weſen waren!