Aufsatz 
Zu den Sagen von Gog und Magog : wissenschaftliche Beilage zum Programm der Sophien-Realschule, Ostern 1882 / von Hugo Bieling
Entstehung
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sage bei den Orientalen, Leipzig 1851, eine Reihe von Aufsätzen in der Z. D. M. G., besonders in Bd. VIII und IX, und H. Vogelstein, Adnotationes quaedam ex litteris Orientalibus petitae ad fabulas quae de Alexandro Magno circumferuntur, Breslau 1865, besonders p. 27 sq. Im Anschlusse an die biblischen Gestalten und an die Alexandersage gehen sie in die Apokryphenlitteratur, die verschiedenen Legendensammlungen, in die mittelalterlichen Sagen vom Antichrist und der Sibylle über, bis herab in die jüngsten Volksbücher(s. K. Simrock, Sibyllen-Weissagungen; die dreizehnte Sibylle, die Königin von Saba, weissagt Salomo vom Antichrist und dem Hereinbrechen der Völker Gog und Magog). Hiistorienbücher, geographische Schilderungen, die Reisebeschreibungen mit ihren Wundern nehmen Rücksicht auf sie; so erwähnt H. Weber a. a. O. schon ihr Vorkommen in Sir John Maundeville. Die ihnen zugewiesene, klassische Stelle zeigt oft die Amazonen ihnen benachbart und bleibt im Mittelalter vorwiegend die Südwestecke des kaspischen Meeres, wo noch heut die Uberreste der Derbendschen Mauer, die Alexander zugeschrieben wurde, vorhanden sind. So werden sie auch in die Mappae mundi aufgenommen(s. besonders O. Peschel, Geschichte der Erdkunde, München 1865 p. 85 und einige Aufsätze in den jüngsten Bänden von Zachers Zeitschrift, so von Doberentz über die Weltchronik des Rudolf von Hohenems(XII, 3 XIII, 2 u. a.). Doch erscheinen sie auch, wie schon die Karten bei Peschel zeigen, an anderen Stellen, und auch unter verändertem Namen. Es genüge hier auf die Zusammenstellung von Roth, Z. D. M. G. IX. p. 797 zu verweisen, wo die Angaben sämtlich datiert sind; namentlich erscheinen um 550 n. Chr.(bei Procopius, de bello Persico I. 10) die Hunnen(vd Oövvue 5n), um 390(Hegesippus, de bello Judaico 5, 50) die Alanen, um 376(od. 399, wo der Brief abgefaſst ist)(bei Hieronymus, epist. 77, 8) die Hunnen(Hunnorum examina); bei Josephus bell. Jud. VII. 7, 4 endlich schon 0 Sονανν aoνα‿suc(von dem sogen. Rufinus übers. Hyrcanorum rex), eine Erwähnung, die in das Jahr 79 gehört. Wahrscheinlich liegt zum Teil bei Josephus eine Verwechselung der beiden portae Gaspiae vor, die schon früh stattfand und gewiſs nicht wenig dazu beitrug, die Gogmagogsage mit Alexander in Verbindung zu halten.FEs ist gewils nicht zufällig, dals Josephus der älteste zZeuge für diese Tradition überhaupt ist; ist doch der Begriff Gog und Magog ein wesentlich jüdischer, und erscheint ja bei ihm schon Alexander als Verehrer des wahren Gottes(Roth); im übrigen ist der Aufsatz von Redslob, Z. D. M. G. IX u. a. über die jüdischen Traditionen sehr lehr- reich. Auch die überall gesuchten verlorenen zehn Stämme Israels werden mit Gog und Magog in Verbindung gebracht¹); so bei Maundeville, der an die Stelle von Gog und Magog die Juden der zehn Stämme setzt(auch hierauf hatte H. Weber a. a. O. bereits aufmerksam gemacht; doch spricht die von ihm citierte Version nur von X Stämmen; genauer Maundeville ed. J. O. Halli- well, London 1839 p. 265:the Jewes of 10 Lygnages). Verwandt ist, dals bei Milton, Paradise Regained III. 371 sq. der Versucher dem Herrn anbietet, ihm die Rückführung derten tribes und damit die Wiederherstellung von Davids Thron für ihn selbst möglich zu machen, falls er ihm dienen wolle. Im Titurel sind aus Gog und Magog die roten Juden²) geworden; ebenso in den

1) S. Reufs bei Erseh und Gruber über diese iberall gesuchten Stämme(s. v. Israel).

²) S. J. Grimm, Reinh. F. p. XXIX. XXX; Weigand s. v. rothwelsch; Mone, Schauspiele des M. A. über den roten Juden, gewöhnlich Rufus genannt, als Person dos mittelalterlichen Schauspiels(bes. I. p. 57 sd.). Zu der ganzen Stello ist zu vergleichen die von Harczyk zu Lamprechts Alexander in Zachers Zeitschrift IV. p. 159 angeführte Fassung der Sage, Straſsburg 1488; der christlich fromm gehaltene Schlufs, in dem auch Josephus citiert und derenderist orwühnt wird, zeigt grolse Übereinstimmung mit der Version der Gesta Romanorum bei RKeller; die citiorte Schrift ist eine deutsche Prosaübersetzung des Liber praeliis. Ich bemerke