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lange 6 wol In einem wilden berge ein hol Daz haete er z'einen stunden Von àventiure funden: Do was er da geriten jagen und hate in sin wec dar getragen. Daz selbe hol was wilen é Under der heideneschen é Vor Corinèis jären, Dô risen dà herren waren, Gehouwen in den wilden berc.“ Reinhold Bechstein bemerkt dazu irrig im Namensverzeichnis seiner Ausgabe:„Corinèis gen., vielleicht Quirinus nach Bech, kaum mit Groote Chronos.“ Beides ist irrig; wir haben es hier wohl unzweifelhaft mit einer indirekten Beziehung auf die britische Sage und Gottfried von Monmouth zu thun; so häufig auch die berühmte Minnegrotte besprochen ist, so scheint doch dieser Um- stand den Auslegern entgangen zu sein. Die altnord. Prosabearbeitung spricht hier von heidnischen Männern; in Sir Tristrem(III. 17) heifst es dagegen:„In on erthehouse thai layn... Etenes bi old dayn Had d Vroughi it.“(Cf. auch Mätzner, Sprachproben, Wb. s. eten und die angelsächsischen Glossare).
Es läfst sich kaum beweisen, dals Gottfried von Monmouth mit seinem Goëmagot direkt an die Gog und Magog der Bibel, der Alexandersage u. a. gedacht habe; doch sind die Gründe, die San-Marte nach Le Roux dafür angeben, immerhin von Gewicht; es hat viel für sich, dals der gelehrte Benedictiner Gottfried die im ganzen Mitlelalter volkstümliche Gestalt der Gog und Magog hier zur Bezeichnung des Riesenköniges verwertete. Die später zum Teil stattfindende Lokalisierung der Völker Gog und Magog würde nicht dagegensprechen, dafür spricht die grolse Verbreitung dieser Vorstellungen und die Verwandtschaft der Gestalten(s. bes. Le Roux).
In der Bibel erscheinen sie zuerst Gen. 10, 2; dort ist Magog ein Sohn Japhets (Vgl. Dillmann zu der Stelle). Weiterhin kommen sie im A. T. besonders bei Hesekiel c. 38 und 39 vor; dort heiſst ihr Land Magog, und der König desselben Gog, oberster Fürst in Mesech und Tubal, dem Volke des Herrn feindlich gesinnt; der Prophet weisfagt ihnen eine grolse Niederlage und verknüpft damit die Wiederaufrichtung des gefallenen Reiches und die Heimkehr der Gefangenen. Ahnlich versinnbildlichen diese Namen in der Apokalypse 28, 10, beide als Völkernamen gefafst, die Heiden von den vier örtern der Erde, die, vom Antichrist verführt, sich, zahllos wie Sand am Meer, zum letzten Ansturm gegen die heilige Stadt erheben und dann in den Abgrund gestürzt werden. Über ihre Namen ist auch hier nichts Genaueres festzustellen; die Vermutungen gehen weit auseinander(s. Dillmann zu Gen. 10, 2; Orelli b. Herzog, Realencykl. s. v. Gog und Magog; Steiner b. Schenkel, Bibellexikon s. v. Gog und Magog u. a.). Ziemlich übereinstimmend wird von den Erklärern angenommen, dafs die Schilderung des Zuges der Völker Gog und Magog, besonders ausführlich bei Hesekiel, auf den von Herodot I. 103 sq. geschilderten Skythenzug zurückgehen(um 630 v. Chr.)..
Diese typische Bedeutung ist wahrscheinlich schon den alexandrinischen Juden geläufig. In den verschiedenen Versionen der Alexandersage sind Gog und Magog am häufigsten und hervorragendsten genannt unter den unreinen Völkern, welche Alexander der Groſse durch eine hohe Mauer und eiserne Thore am kaspischen Meere einschliefst. Diese Sage kennt schon Flavius Josephus(Bell. Jud. VII. 7, 4), sie ist also älter als Pseudokallisthenes. Wir müssen uns versagen, auf diese weitverzweigte Litteratur hier näher einzugehen und verweisen besonders auf Zachers Pseudocallisthenes, Halle 1867, p. 165, 166 u. 172 und H. Weismann, Alexander, Frankfurt a. M. 1850, II. p. V und 463 sq.— Dafs sie auch im Koran verkommen, hatte schon H. Weber, Metr. Rom., III. Edinburg 1811, in den Noten zu Kyng Alisaunder besprochen; auch hieran knüpft sich eine ganze Litteratur; so aufser Fr. Spiegel, die Alexander-


