Aufsatz 
Verfassung der Musterschule / von C. Kühner
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von Günderode und dem Senior des Miniſteriums Dr. Hufnagel. Sie gingen an die Gründung einer neuen Schule. Der Staat, von der ſchweren Kriegsnoth der damaligen Zeit erſchöpft, konnte dem neuen Verſuche keine andere Hülfe bieten, als daß er ihm eine eben erledigte Quartierſchule überließ. Aber die beiden Männer wendeten ſich nicht vergeblich an den thatkräftigen Gemein⸗ ſinn ihrer Mitbürger, der bis auf den heutigen Tag ein Stolz unſeres Freiſtaats geblieben und Schöpfer ſeiner wohlthätigſten Anſtalten iſt. Ein Vermächtniß des Schöffen von Uffenbach und der Ertrag einer Predigt Hufnagel's bildeten den Anfang desBürgerkapitals, mit deſſen Hülfe die neue Schule ihre Wirkſamkeit begann; eine Sammlung von freiwilligen Geldbeiträgen, die in jedem der vierzehn Stadtquartiere von Männern des öffentlichen Vertrauens vorgenommeun wurde, und andere bedeutende Schenkungen gewährten die Mittel zu einem Schulbau. Im Juli 1804 hielt die neue Schule, mit 130 Kindern, ihre erſte öffentliche Prüfung.

Die Anſtalt nannte ſich Bürgerſchule. Kein aktenkundiger Nachweis ſagt aus, wie und wann ſie zu ihrem jetzigen Namen gelangt iſt. Hufnagel hatte geſagt, daß die neue Anſtalt eineExperimental⸗ oder Probe⸗ ſchule ſein ſolle, eine Art Muſter für das ganze Schul⸗ weſen. In Anknüpfung an dieſen Gedanken ſcheint der Name Muſterſchule dem Sprachgebrauche geläufig geworden, der Schule in Anerkennung ihrer Verdienſte unmerklich beigelegt und von dieſer ſelbſt als eine ſtete Mahnung zu idealem Streben beibehalten worden zu ſein. In ihrem Programme vom Jahre 1806 erſcheint die neue Anſtalt zuerſt unter dem Namen Muſterſchule.

Die Verwaltung der äußeren Angelegenheiten der