Vorwoit.
Wenn wir in der Geſchichte überhaupt bei ſolchen Männern mit Vorliebe zu verweilen pflegen, die auf die Entwickelung ihrer Zeit einen ſegensreichen und nachhaltigen Einfluß geübt und ſich durch ihre Geſinnung, ihr Streben und ihre Thatkraft die Be⸗ wunderung ihrer Zeitgenoſſen und der Nachwelt erworben haben, ſo werden wir doch ihren Thaten und Schickſalen gewiß mit noch ungleich lebhafterer Aufmerkſamkeit und Theilnahme folgen, ſo⸗ bald ſie demſelben Vaterlande oder gar demſelben Volksſtamme, wie wir, angehören. Mir wenigſtens hat es bei meinen hiſto⸗ riſchen Studien ſtets zu vorzüglicher Genugthuung und Freude gereicht, in der deutſchen, insbeſondere aber in der heſſiſchen Geſchichte ſolchen hervorragenden Perſonen zu begegnen, die ſich vermöge ihrer geiſtigen Ueberlegenheit und ihres mannhaften Auftretens an der Geſtaltung der Ereigniſſe ihres Jahrhunderts und an der durchgreifenden Verbeſſerung der öffentlichen Zuſtände mit glücklichem Erfolge betheiligt haben. Unter den heſſiſchen Fürſten, die in ſo ruhmwürdiger Weiſe wirkſam waren, nimmt derjenige, deſſen Thaten die nachfolgenden Blätter gewidmet ſind, eine der erſten Stellen ein. Philipp der Großmüthige, der ſo viele Jahre lang der Mittelpunct der heſſiſchen und der deut⸗ ſchen Geſchichte, zugleich aber auch von europäiſcher Bedeutung war, hat durch ſeine männliche Standhaftigkeit und Ausdauer, ſeine zuverläſſige Treue, ſeinen ſtaatsmänniſchen Blick, ſein Feld⸗ herrntalent, ſeine wohlwollende Fürſorge für das Gedeihen des heſſiſchen Volkes und des ganzen deutſchen Vaterlandes, ſeine Begeiſterung für echte Bildung und Gelehrſamkeit, ſeine religiöſe Geſinnung, ſeine weiſe Mäßigung im Glück und viele andere glänzende Eigenſchaften nicht allein die Achtung und Bewunde⸗ rung ſeiner Zeit errungen, ſondern auch die Nachwelt bewahrt ihm eine wohlverdiente dankbare Erinnerung. Als ein Zeichen derſelben bitte ich die gegenwärtige, ſeinem Andenken geweihte Schrift zu betrachten. Ich hoffe, die gebildeten und denkenden Leſer, für die ſie beſtimmt iſt und die ich ihr wünſche, werden darin meine Anſicht von der hohen Bedeutung des Landgrafen vollkommen beſtätigt und es begreiflich finden, daß namentlich der


