Aufsatz 
Nachträge und Berichtigungen zu dem Verzeichnis der Abiturienten im Jahresbericht von 1911 / von Friedrich Engelhardt
Entstehung
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Universitätslehrern sprechen, die solche Schüler erzogen hätten. Aber mit der Literatur nach Alexander ist auf der Schule im ganzen nichts zu machen. Der Forscher mag an der Neu- gestaltung der Welt des Mittelmeeres unter den Diadochen sein Interesse nehmen. Auf die Jugend wird diese Zeit der Gelehrsamkeit und des Verwaltungsmechanismus seine Wirkung verfehlen. Das gilt besonders von dem zweiten Bande des Griechischen Lesebuchs mit seinen geographischen, mathematischen, medizinischen und ähnlichen Abschnitten. Alles sehr interessant und lehrreich, für bessere Schüler eine gute Privatlektüre, für die Klassenlektüre gänzlich un- geeignet. Darum lassen wir nicht Griechisch lernen, um einen griechischen Automaten und ähnliche Curiosa kennen zu lernen. Wer dergleichen aussucht, beweist nur, daß er von den Bedürfnissen der uns anvertrauten Jugend nichts versteht. Vergleicht man damit Thucydides, Demosthenes, Plato und dazu Homer und Sophocles, so ist für den Wissenden genug gesagt. Davon noch einiges. Thucydides ist ein vorzüglicher Schulschriftsteller, vor allem das erste Buch mit ausgewählten Stücken des zweiten. Hier tritt dem Primaner zum ersten Male die Hoheit wissenschaftlicher Forschung vor die Seele. Manches kann übergangen werden, aber nicht alle Reden, die zwar schwer, aber darum recht wertvoll sind. Daneben empfehlen sich das sechste und das siebente Buch; man kann durch passende Auswahl den gesamten Abschnitt erledigen. UÜberhaupt empfiehlt es sich, die Lektüre auf einen angemessenen Umfang zu bringen, unbeschadet der Sorgfalt im Verständnis der sprachlichen Form. Nichts ermüdet die Schüler so wie das Schneckentempo der Lektüre, und die beste Erklärung ergibt eine saubre Musterübersetzung des Lehrers. Im allgemeinen habe ich den Eindruck, als ob zu viel erklärt werde; es ist etwas anderes, ein Kapitel im Seminar und in der Prima erklären. Die Jugend hat mit Recht eine gewisse Stoffreudigkeit. Mit den anderen Büchern habe ich keine Erfahrungen gemacht. Von Demosthenes sind alle Philippischen Reden geeignet, nicht die Kranzrede, weil sie zu lang ist und leicht ermüdet. Man lasse sich den größten Redner Athens nicht verleiden von überklugen Kritikern. Gesetzt, daß jedes Wort der Kritik wahr ist, so bleibt immer noch genug erzieherischer Wert übrig. Der heiße Patriotismus auch zu Zeiten des Niedergangs hat vor den Freiheitskriegen seine vorbildliche Wirkung getan; er hat noch heute dasselbe zur Bewunderung zwingende Ethos. Die Lektüre ist nicht leicht, aber dafür ist der Lehrer da, um zu helfen, wo es Not tut. Hingegen ist über Plato kein Streit; nur muß gegenüber den Fanatikern der Bequemlichkeit betont werden, daß es nicht genügt, Apologie, Crito und die erzählenden Teile des Phaedo zu lesen. Die Hauptsache ist einer der großen Dialoge, die an die Quelle unmittelbar heranführen. Die Auswahl ist beträchtlich: zunächst Phaedo, Meno, Protagoras und Gorgias, von dem ich versichern kann, daß man ihn ganz lesen kann, aber auch Symposion mit wenigen Auslassungen und das erste Buch des Staates und der Anfang des zweiten. Die kleineren Dialoge, wie Laches, Euthyphro und andre, sind gewiß geeignet, aber nicht sehr ertragreich; größere wie Phaedrus und Theaetet sind zu schwer. Man wird nie auf der Schule über eine propädeutische Behandlung der Philosophie hinaus- kommen, aber in dieser Beschränkung kann die Erklärung Platos wie Ciceros schöne Resultate zeitigen. Hier ist die richtige philosophische Propädeutik, im Anschluß an die Lektüre, nicht abgetrennt davon.

Die Dichter stellen sich von selbst ein, zunächst die Ilias, deren Größe dem jüngeren Schüler nicht verständlich gemacht werden kann. Man braucht sie nicht ganz zu lesen, die Hälfte genügt, nicht in dem gelehrt tuenden Bestreben, dieDiaskeuastenmache ausfindig zu machen, sondern quandoque bonus dormitat Homerus, so bei den Metzeleien und anderswo. Um so schöner ist der ansehnliche Rest. Nur tüftele man nicht umsonst an derHomerischen Frage und getröste sich des alten Künstlerglaubens, daß die Ilias ein herrliches Gedicht ist, das einen einheitlichen Plan deutlich erkennen läßt. Und darum gehört besonders das 24. Buch ganz gewiß dazu. Wir hoffen, daß die spätere Kritik, die ja immer klüger ist als die frühere, erweisen wird, wie auch dies Buch zum Ganzen der Ilias gehört. Von den Tragikern tront Sophocles mit Recht im Besitz, mit Ausnahme der Trachinierinnen, die aus mancherlei Gründen nicht geeignet erscheinen. Mit seinem Pathos und Ethos ist er der gewiesene Schulschriftsteller. Und zwar müssen zwei Tragödien ganz gelesen werden. Eine gute Kombination ist die Zu- sammenstellung der beiden Oedipusdramen, die Frauentragödien, endlich Aias und Philoctet. Daneben wird nun neuerdings Euripides warm empfohlen, und es soll nicht geleugnet