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des Niedergangs, deren wir uns zu schämen allen Anlaß haben. Aber auch Lattmanns und anderer bessere Versuche lehne ich ab. Man gebe auch dem Knaben einen echten Autor, wenn er auch keiner der besten ist. Die Knaben können an ihm, wenn sie keine Präparations- hülfe dabei haben, konstruieren und übersetzen lernen und ein gutes Stück alter Geschichte dazu. Wir stoßen hier auf den ersten prinzipiellen Irrtum der Kritiker des Kanons, daß sie über wissenschaftlichen Gründen die pädagogischen vergessen. ÜUbrigens ist es ein Irrtum, wenn uns die Entdeckung der Schwächen des Nepos als eine neue Errungenschaft der Forschung aufgeredet wird. Wir haben ihn niemals günstiger beurteilt und ihn doch mit gutem Erfolge im Anfangsunterricht verwendet. Ist der Irrtum gar zu schlimm, wie im Anfang des Miltiades, so läßt man die ersten Kapitel weg. Auch liest man nur die Viten, von denen die Schüler etwas haben, nicht den Iphicrates oder Datames. Der Ersatz, den Leo in den metrischen Fabeln des Phaedrus anrät, will mir nicht einleuchten. Fabeln gehören in die Sexta und Quinta, nicht in die Quarta, und fortwährend Jamben lesen, ist doch recht miblich, wenn auch am Schluß des Schuljahres eine oder die andre ganz angebracht ist. Von größter Wichtigkeit ist es, daß Gymnasiasten früh in die griechische Geschichte eingeführt werden, vorausgesetzt, daß der Lehrer auch das Historische zu seinem Rechte kommen läßt.
In Untertertia, wo das Griechische sich mit einem Lesebuche begnügen muß, das vor allem in die Homerische Welt einführt, herrschte bisher das bellum Gallicum unangefochten. Das soll anders werden, weil Caesar zu schwer und fein für den Schüler ist; man empfiehlt ein Lesebuch aus Caesar, Livius, Seneca, Velleius, Florus, Curtius, Valerius Maximus, dem älteren Plinius, Ammianus Marcellinus u. a. und begründet den Vorschlag mit der Meinung, daß solche Lesestücke in ihrer kunstvollen Unordnung wie farbige Steine wirken:„spielend mit seiner regen Phantasie stellt sie sich das Kind ohne viel äußeren Zwang und inneren Widerstand selbsttätig zu bunten Mosaiken zusammen, die ihm Freude machen und eben deshalb in seinen Vorstellungen bleibende Eindrücke hinterlassen werden“. Glückliche Schüler, glückliche Lehrer, am glücklichsten aber, der sich an solchen Hirngespinsten berauscht! Von wirklichem Werte dagegen ist Leos Vorschlag, die ersten Bücher des Livius an Caesars Stelle zu setzen. Der Gedanke wäre vortrefflich, wenn nicht formale Bedenken der gewichtigsten Art entgegenständen. Livius ist für den Tertianer zu schwer, Caesar aber der Form nach die richtige Lektüre. Und auch in materialer Hinsicht. Nichts hört der Knabe lieber als Krieg und Kriegsgeschrei, weite Fahrten in fremde Länder, streitbare Rede und Gegenrede. Das ist alles bei Caesar in Hülle und Fülle vorhanden, so daß man sogar behaupten kann, die Möglichkeit, Caesar in der Tertia zu erklären, sei überaus mannigfaltig. Mag man das militärische Element betonen, was der Reserveoffizier mit Vorliebe tun wird, oder das Ethnologisch-Geographische, oder das Charakteristische(Caesar, seine Offiziere und Soldaten, die Gegner), oder meinetwegen das Formale, was ich nicht einmal so hoch einschätzen kann, man findet überall frische, grüne Weide, und nur der Pedant kann mit Caesar nichts anfangen. Hierhin gehört das hübsche Wort, das Paul Brandt in Göttingen sprach, daß es Langeweile in der Schule nicht geben dürfe; kein Schriftsteller sei langweilig. Daß es ebenso Lehrer gibt, die Nepos und Caesar ihren Schülern lieb zu machen verstehen, wie solche, die den Lesern Sophocles wie Goethe verekeln, ist bekannt. Wir reden hier nur von der ersten Kategorie. Also Caesar bleibt, in Untertertia die ersten 4 Bücher, in Obertertia außer den 3 übrigen mit Auslassungen ein tüchtiges Stück bellum civile, in dem sich so schöne Partieen finden, wie der Untergang des Curio und die Schlacht bei Pharsalus. Und daneben der delectus Siebelisianus aus Ovids Metamorphosen. Wie sollen die Schüler sonst die köstliche Sagenwelt des Altertums kennen lernen? Zwar taugte Ovid als Mensch nicht viel, aber davon merkt der Tertianer nichts, und ein Erzähler ist er, wie es wenige gegeben hat. Das Lesen des daktylischen Hexameters kann nicht früh genug beginnen, weil er charakteristischer und schwerer ist, als der Senar. Und dazu tritt auf der Stufe der Obertertia die griechische Lektüre, die Anabasis Xenophons, die trotz aller Kritik noch heute nichts von ihrem jugend- lichen Reize eingebüßt hat. Gewiß, der Hauptmann a. D. ist kein zuverlässiger Historiker, seine Eigenliebe ist groß, und seine Philosophie mäßig, aber einen entzückend frischen Stil schreibt er, der den Erdgeruch des Selbsterlebten an sich trägt. Wer diese Schrift dem Schüler nicht lieb machen kann, versteht sein Handwerk schlecht. Die Versuche, mit Homer


