Aufsatz 
Ueber den Begriff des Horizontes, insbesondere des geographischen oder natürlichen, und dessen geschichtliche Entwickelung / Dr. Ritter
Entstehung
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sein und mit den Ländern sich ändern. Denn indem er den einen Theil des Himmels vorführt, den andern zurücklässt, verdeckt er stets eine volle Halbkugel und führt eine andere herauf und wird dieselbe mit einer Grenze zeichnen, welche wandelbar ist und mit der Erdansicht zugleich ihre Grenzfäden bewegt. Dieser Kreis wird zrdisch sein, weil er die Erde umfasst und dass Weltall mit seiner ebenen Grenze umgürtet; und von der Begrenzung den Namen empfangend wird er Grensxreis genannt.

Manilius beginnt in einer astronomischen Schrift ganz recht mit der Aeusserung:-Wenn man die Grensen des zweiten veränderlichen Kreises kennen lernen will: so muss man den Blick rings um sich herumwenden«. Denn dem Astronomen ist es gar nicht um den Inhalt oder die Natur der Erdscheibe, sondern nur um die Grenze seiner jedesmaligen Himmelsansicht zu thun. Dennoch geht aus seiner weiteren Beschreibung deutlich hervor, dass er bei seinem Horizonte wesentlich an die Erd-Scheibe denkt. Er sagt nämlich ausdrücklich, dass jenes räumliche Gebilde, welches in die hohle Himmelskugel eine horizontale Grenzlinie zeichne, aus der Oberfläche der Erde und dem unteren Rande des Himmelsgewölbes bestehe, d. h. eine Kreis-Figur sei.

V. 647. Qua coit ipse sibi etc. Diesen Vers erklärt Dion. Petavius(Variarum dissert. ad Uranologion lib. VII. cap. 14. p. 287) wesentlich falsch, wenn er sagt: in extrema finitione una pars hemisphaerii coelestis cum extima terrae superficie coire videtur. Denn Manilius sagt nicht, dass Himmel und Erde sich vereinigen; sondern er sagt: Qua coit ipse sibi nullo discri- mine mundus. Dies letzte Wort ist an unzähligen Stellen ganz das griechische 6Gοοο, Welt- gebäude oder Himmelskugel; und Manilius will sagen: Das Himmelsgewölbe an und für sich selbst schreitet ohme Scheidung, d. i. als eine stetige, kontinuirliche Grösse fort. Nur die Erd- scheibe ist es, welche mit ihrem äussersten Rande oder Umkreise eine Scheidung der Himmels- kugel in eine sichtbare obere und eine unsichtbare untere Halbkugel für den astronomischen Beobachter veranlasst.

V. 648. Reddit orientia, recipit occidentia sidera(Scalig.); und wiederum ist es, wie auch bei den griechischen Dichtern, der Ocean, der die Erde umkreisende, welcher den Wechsel veranlasst.

V. 650 ff. wendet sich Manilius ganz zur Betrachtung des astronomischen Horizontes und spricht sich darüber in einer Weise aus, welche den Auslegern bis in die Gegenwart un- überwindliche Schwierigkeiten gemacht hat. Er redet von ihm als von einer Linie, was dem Astronomen gestattet ist, V. 650. Was er aber V. 651. und 652. sagt, nöthigt Pingré (M. Manilii Astronom. lib. V. cum interpretatione gallica et notis. Tom. I. Paris 1786. 8) S. 78. Anm. zu dem Ausrufe: Quis Oedipus haec aenigmata solverit? Tentavere Scaliger, Salmasius etc., infelici semper successu. Bentley dagegen macht sich die Sache leicht, indem er beide Verse für unächt erklärt, obgleich ihm die Handschriften dazu nicht den geringsten Anhalt bieten. Indessen man kann die kritische Scheere ganz in Ruhe lassen und braucht auch gar kein

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