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parallel sei, ist zunächst doch nichts anderes, als ein koncentrischer Kreis oder ein Parallel- kreis. Wenn ich aber verlange, dass eine Ebene mit einer Kreislinie parallel gelegt werden soll: so hat das gar keinen Sinn, als nur in dem Falle, wenn ich mir die Ebene vorstelle, welche durch die gegebene Kreislinie ringsum begrenzt wird. Mit dieser Ebene kann ich aller- dings eine neue Ebene parallel legen. Nun denke man sich einen Schüler dazu, dem mit solchen Begriffen eine Leuchte angezündet werden soll.
Einige unterscheiden dann noch ausdrücklich von dieser Linie die Ebene des Horizonts, indem sie sagen:»Die Ebene des Horizonts nennt man die eingebildete Fläche, die auf der Stelle, wo der Beobachter steht, die Erde berührt und sich von da nach allen Seiten ausbreitet. Ihre Lage ist einer Scheibe parallel, die man auf einer Kugel ruhen lässt, oder der ruhigen Oberfläche eines stillstehenden Wassers«,— womit sie dann neue Konfusion anrichten, indem 1) ihre sogenannte Ebene des Horizonts nicht jener berührenden Scheibe, jenem Wasserspiegel parallel ist, sondern damit zusammenfällt und 2) jene»eingebildete⸗ Fläche, welche sich nach allen Seiten bis ans Himmelsgewölbe ausbreitet, der mathematische oder astronomische Horizont selbst ist.
Wir wollen endlich nur noch eine Erklärung dieser Art aus historischen Gründen an- führen, weil sie die Quelle zu sein scheint, aus welcher viele der unrichtigen Ansichten ge- flossen sind. Es ist Joh. Hübner's, des älteren, Ansicht, enthalten in den»Kurzen Fragen aus der neuen und alten Geographie«, welche seit dem Jahre 1693 im Laufe des vorigen Jahr- hunderts sehr oft aufgelegt worden und in allgemeinem Gebrauch gewesen sind. In dem letzten kleinen Kapitel des Werks, mit der Ueberschrift:»Zum Globo«, wird die ganze sogenannte mathematische Geographie abgehandelt; während die politische über 1200 Seiten umfasst. Es heisst dort S. 1223 der Ausgabe von 1736:»Was ist der Horizont? Dieses ist der grõssle hölzerne Reifen, welcher um den ganzen Globum herumgehet und denselben in zwei gleiche Theile kreutzweise durch den Meridianum durchschneidet. Es sind darauf die zwölf himmlischen Zeichen, der Kalender und die 32 Winde abgezeichnet«. Der Ursprung dieser sonderbaren Erklärung ist bei Geminus(66 v. Ch.) zu suchen, der sich Elem. astron. c. 4.(Dion. Petav. Uranolog. p. 21. fol.) ganz richtig so ausdrückt: drνο ⁵μέ εᷣ 1*16 σ.‿αοιu☛ε 700 69iνG 8 6 aa TavOS8ITai:— Silus tamen horizontis ex receplaculo sphaerae intelligitur. Dann bemerkt Hübner, dass jeder Mensch seinen besondern Horizont habe und schliesst mit den Worten:»Und also ist der hölzerne Horizont ein Perpetuus Vicarius.— Man muss sich aber hier nicht confundiren. Denn insgemein heisst man das seinen Horizont, soweit als man auf dem Erdboden sehen kann; und das wird über etliche Meilen nicht austragen, wenn einer gleich auf einem hohen Berge ist. Das ist der Horizont nicht, der hier verstanden wird: sondern er wird von den Geographis Horizon sensibilis genannt, weil er nur soweit geht, als des Menschen Auge sieht«. Dann folgt
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