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das Zustandekommen des Wortes überhaupt nach seinen Elementen; sodann die verschiedenen Formwechsel der Wortarten nach ihren Beziehungen im Satze zu betrachten.
I. Unterscheidung von Wortarten im Sprachschatze.
Vor Plato war an eine Klassifikation der Worte eigentlich noch nicht gedacht worden. Man verstand unter Grammatik theils die Kunst des Schreibens und des richtigen wohl- lönenden Lesens und Aussprechens, theils die Theorie auf welche man beides gründete, die Theorie von der Natur der Laute, der Accentuation der Silben und deren Quantität und Rhythmus und behandelte darum auch die Grammatik noch in genauer Verbindung mit der Musik. Vgl. Schwalbe: Beitrag zur historischen Entwicklung der Lehre von den Tem- poribus und Modis des griechischen Verbum(Jahrbuch des Pädagogiums des Klosters unser lieben Frauen in Magdeburg, herausgegeben von Zerrenner 1838) S. 43 und 44. mit den daselbhst aufgeführten Beweisstellen. Mit der Unterscheidung der Wortarten beginnt die zweite Periode der Grammatik— die eigentliche Grammatik.
Es ist eine bekannte Tradition, dass Plato zuerst Nomina und Verba von einander geschieden und jene 6võara, diesc—uara benannt habe. Obwohl diese Annahme, wenigstens in dieser Fassung, schon durch Classen: de grammat. graecae primordiis p. 45. ff. widerlegt ward, so tauchte das Vorurtheil doch wieder von neuem auf; ja man findet es mit einer eigenthümlichen Berufung auf Classen selbst bei Brandis: Handbuch der Geschichte der griechisch-römischen Philosophie S. 284. A. a., der missverständlicher Weise sogar den Unterschied von Sein und Werden hineingelegt wissen will. Doch eine nähere Betrachtung ergibt alsbald, dass in platonischem Sinne die ganze Unterscheidung nicht grammatischer, sondern logischer Art ist. Die vöara sind die Worte, von denen ausgesagt wird,(Sub- jekte) und die Sijuara sind die Aussagen(Prädikate). Die Trennung beider von einander ist daher aus der Analyse des Satzes, oder, wenn man will, des Urtheils entsprungen. Da dvoœα übrigens in dem gewöhnlichen Sinne häufig für Wort überhaupt gebraucht wird, so kommt es vor Allem darauf an, die Bedeutung von§ijta ins Auge zu fassen. Die Hauptstelle für diejenigen, welche Plato die Unterscheidung von nomen und verbum in unserem Sinne zuschreiben, bildet Soph. 261. E. und 262. A. ff. und für diese Stellen tritt auch Classen p. 49. der angeführten Ansicht bei. Aber auch dort kann ich eine andere als die logische Bedeutung nicht erkennen, da der Zweck jener Stellen gerade der ist, die Entstehung des Satzes durch Analyse desselben in seine Bestandtheile nachzuweisen. Sie wird uns später noch des genaueren beschäftigen und mag darum hier diese Andeutung genügen. Ganz dieselbe Bewandtniss hat es mit Theaet. 206. D. und ausser dem wird


