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Sprache organisch aus sich hervorgehen lassen konnten. Die Gocts führte in ihrer Kon- sequenz zu der Einheit der Sprache, negirte also, was sie hätte erklären sollen, der 96 aber waren alle Spracherscheinungen so gleichgültig und zufällig, dass sie höchstens dazu veranlasste, dieselben empirisch festzustellen— also die Grammatik, nicht die Sprach- philosophie, förderte. Eine äusserliche Vereinigung beider Principien konnte natürlich über diesen Mangel nicht hinwegheben; dies war nur möglich, wenn sie eine innere Vermittlung auf dem Gebiete des Geistes fanden; aber dann war ein neues höheres Princip hinzuge- kommen! So lange dies nicht erkannt war, musste auch die zeitweilige Verschmelzung unwirksam verhallen, nur mit dem traurigen Resultate, dass sich auf dem gegebenen Boden nichts bestimmtes festsetzen lasse. Um so emsiger richtete man seine Aufmerksamkeit auf die objektive Seite der Sprache, den Sprachschatz und die Sprachformen und überliess sich willig der Ausbildung der ebensosehr sich vertiefenden als ausbreitenden empirischen Grammatik.
Diese konnte und musste sich vollständig an Einer Sprache emporbilden. Aber auch dies geschah so allmählig, dass sie erst in den Zeiten der Alexandriner ihre Vollendung erhielt, als sich die griechische Philosophie schon in ihren letzten Formen erschöpfte. So lange fehlte natürlich alle Uebersicht und die Philosophie konnte sich unmöglich darauf einlassen, jeder neuen Entdeckung nachzuschleichen, um sie— doch nicht erklären zu können, weil das Princip fehlte! Aber Eines war dennoch für sie von hohem Interesse, nicht sosehr als Thatsache, die die Erkenntniss bereichert, als vielmehr um des Grundes willen, aus dem es hervorging. Ich meine die Scheidung der Wortarten. Denn diese beruht auf einem logischen Grunde und man kann wohl sagen, dass die Logik zuerst an den einfachsten grammatischen Bestimmungen einen sicheren Halt fand und sich zu ent- falten begann, als das sprachphilosophische Verhältniss zwischen Denken und Reden klar erkannt wurde. 1
Wie das, werden wir später genauer zu sehen Gelegenheit haben. Bald freilich machte sich die Logik unabhängig von dem ihr äusserlichen Beiwerk und folgte ihrer eigenen inneren Konsequenz, indem sie sich begnügte höchstens auf die empirische gram- matische Thatsache hinzuweisen. Als die Logik ihre Selbstständigkeit erlangte, verlor die Sprachphilosophie die ihre, und die Grammatik ward von ihrer seitherigen Gebundenheit in untergeordneter Stellung frei, um neben der Logik her ihren eigenen Entwicklungsgang auszuwandern. Jenes war also der gewisse Punkt, den wir suchten, der Einheitspunkt zwischen Sprachphilosophie und Grammatik innerhalb der Logik. Sobald dieser über- schritten war, fehlten die Bedingungen zu einer ferneren gegenseitigen Durchdringung beider Disciplinen ganz und gar. Das hatte denn das mehrerwähnte Resultat zur Folge.


