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ersten Theil des wissenschaftlichen Gesprächs,
dessen Zweck demnach ist, den Begriff des Frommen festzustellen*). Die Frage war so ge- stellt, dass Euthyphron, wenn er nur einige Uebung in dergleichen hatte, oder nur aufmerksam geachtet hätte auf den von Sokrates gegebenen Wink, wodurch er ihn vor einer falschen Ant- wort bewahren wollte**), anders antworten musste, zumal da er die Frage nach der Einheit des Begriffs bejaht hatte. Aber Euthyphron antwortet erstens:
Fromm ist, was ich eben jetzt thue,
nemlich, wenn man Einen anklagt, der einen Mord oder Tempelraub oder sonst etwas der Art begangen hat. Dabei beruft er sich auf den Volksglauben, wonach Zeus eben so gegen seinen Vater Kronos und dieser wieder gegen seinen Vater Saturnus vorgegangen sei. Mit dieser Berufung auf die Mythologie gibt er aber dem Sokrates die schärfsten Waffen in die Hand, welche denn auch wohl benutzt werden. Hierauf hat Euthyphron schon andere aufmerksam gemacht, wie er sagt, um sich zu rechtfertigen, gleichwohl grollen sie ihm darüber und ge- rathen mit sich selbst in Widerspruch, die inconsequenten Leute gegenüber dem sich durchaus gleichbleibenden Zeloten.
Ehe Sokrates dem Euthyphron das Fehlerhafte seiner Antwort nachweist, lässt er sich für einen späteren Zweck zuvor von ihm bestätigen, dass Zwist und Meinungsverschiedenheit unter den Göttern besteht: etwas, worein er sich nicht finden kann, was er stets abgelehnt und wodurch er vielleicht Veranlassung zur Anklage des Meletos gegeben, was er aber am Ende zugeben müsse, wenn Euthyphron, der sich auf dergleichen besser verstehe als er(Sok.), der da versichert, nichts über dergleichen zu wissen(was er in der Apologie so oft wiederholt), diese Meinung auch hege. Euthyphron weiss aber noch wunderbarere Dinge, wovon die Menge keine Ahnung hat. Also glaubst du wirklich, fährt Sokrates fort, dass Streit unter den Göttern besteht, wie diess von den Dichtern geschildert, von den Malern in allen Tempeln dargestellt wird, und wie auf dem Peplos, dem Mantel der Athene, der an ihrem Feste, an dem Feste aller Athener, feierlich auf die Akropolis getragen wird, zu sehen ist?***). Sokrates hofft ihn
*) Was die Einleitung zur Platonischen Lectüre andeuten muss, das Charakteristische im Verfahren des Sokrates, bestätigt sich hier. Alle seine Untersuchungen bewegten sich auf dem ethischen Gebiet, der Mensch ist ihm derjenige Gegenstand, welcher allein Beachtung verdient, the proper study of mankind is man, wie Pope sagt, und das Verfahren dabei war, jede Untersuchung auf den Begriff zurückzuführen, wie Aristoteles bemerkt hat, wenn er sagt: ae.τπιι τι τι Ʒντ, pdo doriν ⅜ τσ ʒ̈ dπτοςο⁵ μogdτeν dοννς roς τ εᷣeκτoς Tyous z ο Ʒε‿εοοασα 2ααάιαοωο d. h. Induction und Begriffsbestimmung. Mit dieser haben wir es hier zu thun, von ihr sagt auch Xen. Mem. 4, 6, 13: Arri T.t„ 16σρεον εακρ d dvra 1„ 1Gpov. Autf den Inductions- beweis kommen wir unten zurück.
**) Achnlich wie hier baut Sokrates im Hippias maj. vor, wo er sagt: alles schöne ist schön durch das Schöne, wie das Gerechte und Weise: die Weisen sind weise durch die Weisheit, die Gerechten durch die Gerechtigkeit; p. 287 C. Ferner heisst es im Menon(70 C.): eTreg gy p 1. Syrere urd arrov, und nachher: rijr uiαν 1 d Tdντν⁵ τGνν ortν und(74 B.): rο εmO0αι πἀ.ει τoονιοισςσ ταάντmν.
***) Dieser Passus ist namentlich interessant durch die Auslassung des Relativs im zweiten Satz, und im dritten Satz durch Ersatz desselben durch ein Demonstrativ und Uebergang in einen Hauptsatz, eingeführt durch die specialisierenden Partikeln u* ν ναι


