Aufsatz 
Ueber die griechische, insbesondere die Prosa-Lectüre in Prima / vom Oberlehrer Dr. Collmann
Entstehung
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durch die Erinnerung an diese unglaublichen Dinge alle von seinem Glauben abzubringen; aber vergebens, Euthyphron weiss sogar noch mehr, worüber Sokrates erstaunen werde, wenn er es höre, was zu hören aber Sokrates höflichst ablehnt*).

Nunmehr macht Sokrates seinen Mann aufmerksam auf den Fehler in seiner Antwort, welche darin besteht, dass er ihm statt des Begriffs, welcher allen ähnlichen Handlungen zu Grunde liege, nur ein Beispiel*) genannt habe, das Beispiel seiner Handlung, die er vorhabe. Und mit Recht nenne ich die fromm, wirft Euthyphron eifrig mnein, als ob er damit ein Argu- ment vorgebracht hätte, während es doch bloss dieselbe Behauptung ist, nicht eine Definition, sondern die Prädicierung einer Eigenschaft, welche cben zu definieren ist, um zu sehen, ob sie von der Handlung ausgesagt werden kann. Sokrates lässt es dahin gestellt sein, ob sie fromm sei, macht aber darauf aufmerksam, dass diess viele andere Handlungen auch sind; diese aber, setzt er hinzu, wollte ich nicht wissen, sondern den Begriff(«εd⁷), wodurch die fromme Hand- lung fromm ist; denn das gabst du ja doch auch zu, dass alles gottlose wie alles fromme als solches gleichsam an einer und derselben Gestalt(70.α) zu erkennen ist***), d. h. dass ihm ein und derselbe Begriff zu Grunde liegt. Diese Gestalt, diesen Begriff nun wünschte ich zu kennen, um im Hinblick daraufe⸗) und als Muster ihn anlegend, an allem, was du thust oder ein anderer, gleich zu erkennen, was fromm und was nicht fromm ist.

Das kann Euthyphron natürlich auch, wenn es Sokrates wünscht, und so erfolgt denn 2weitens eine förmliche Definition, nemlich:

*) Aehnlich, wie Pindar mit seinem dραέοταμαι, das sei ferne von mir, alle crassen Vorstellungen von den Göttern zurückweist. Ol. I, 52.

*n) Wohl hat das Beispiel in der Beweisführung seine grosse Bedeutung, indem es die logische Function voraussetzt, welche bei der Begriffsbestimmung vorzunehmen ist, und Sokrates benutzt es selber nur gar zu oft, z. B. im Gorgias gleich im Anfang, wo er den Chairephon qurch ein Beispiel auffordert, den Gorgias zu tragen, was er sei. Dort aber hat das Beispiel die Bedeutung, zur Sache hinzuleiten, währeud es an unserer Stelle davon abführt. Aehnlich antwortet Hippias auf die Frage: was ist schon? eine schöne Jungfrau ist etwas schones, worauf Sokrates ihm mit dem Einwurf dient: nun ein schones Pferd, eine schöne Leier, ein schoner Krug ist auch etwas schönes. Vgl. Hipp. maj. p. 287 E. Auf dem umgekehrten Verfahren beruht der Witz bei Molière: et qui sont-ils ces avaricieux, fragt Harpagon, um Namen zu wissen; worauf die Ant- wort folgt: des yilains et des ladres. Avare I, 3.

veen) Es scheint diess die erste Andeutung zu sein zu der später von Platon weiter entwickelten Ideen- lehre. wonach er in den der Erscheinung zu Grunde liegenden Begriffen für sich bestehende Wesen erkannte: aAνον εινmαἀά‿νπμο μενν οχνmνμον ⁶ν Sympos. p. 24 A. Uebrigens bezeichnet ls(20*⁵⁴], wofür Platon im Phädrus(p. 103 E, 104 D.) auch Aoανο hat: 1. allg. jede Form und Gestalt; 2. die Art oder Gattung; 3. subj. die Vorstellung derselben, den allg. Begriff. Vgl. Zeller a. O. p. 421, A. 1. Dieser Gelehrte kennt keinen Unterschied zwischen doc und ĩ0α, während Deuschle(Platon. Sprachgebrauch p. 73), dem auch Susemihl(a. O. p. 122) beistimmt, bei?Osh an den subjectiven Begriff, bei ⁰εα&α an die ohjective Grundgestalt denkt; nach Steinhart verhält es sich aber umgekehrt. Vgl. Platons sämmtl. Werke II, 225. Platon erklärt:?6oαâò πν εέυνντμντα ν 2705OMu‿εέν τιινμέμο‿ς⁶αμι πς⁵ε ⁵⁵⁸ιοιαι τιι ποι⁷⁵‿ o0lo Tανονν ꝙιυοαα εμιOςαισασμοσεν, de rep. X, 596, was dem vielen gleichnamigen gemeinsam ist. Im eigentlichen Sinne kommen sie in gleicher Bedeutung neben einander vor Thuk. II, 50 u. 51.

*r) 4&nstvy(40 44 ν) 4rroßleον. So sagt Platon oft mit?0oc und 20εαα, aber auch ohne diese, z. B. im Phädrus: dεςᷣ rονπν ꝙαϑαπω‿‿έτκνεε, bezogen auf νονοꝓι εααεeον εον, P. 23; im Gorgias: d*ιπσ⁴εα ν πτοωο, alles besondere Thun muss sich nach einem allg. Begriff, Idee, Anschauung oder Wesen als Mass der Sache richten, p 503, daselbst Deuschle.