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alle Geheimnisse und alle Erkenntnis, und hätte allen Glauben, also dass ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts(1. Cor. 13, 2).
Hierauf folgt die Erzählung, wie wir sie oben gegeben haben, welche mit der Bemerkung schliesst, dass sein Vater wie seine Verwandte empört darüber seien, dass er sich eines Mörders annehme gegen seinen Vater, der ihn nicht einmal getödtet, und hätte er ihn auch wirklich getödtet, so gebühre jenem als einem Mörder nicht die Rücksicht. Denn es sei gottlos, wenn ein Sohn seinen Vater wegen eines Mordes anklage. Aber die wissen leider! nicht, fügt er hinzu, was fromm und was gottlos ist in unserm Verhalten gegen die Götter. Und auf die Frage des Sokrates, ob er seiner Sache so gewis sei, dass er keinen Zweifel hege über sein Handlungsweise, ob er nicht fürchte, selber etwas gottloses zu thun, antwortet Euthyphron mit einer solchen Selbstzufriedenheit, als ob davon keine Rede sein könnte, dass ein Euthyphron, dessen Name also eine Gattung repräsentiert, nemlich die Klasse der frommen Forscher, das nicht wissen sollte. Dieser Hochmuth erscheint um so lächerlicher, je tiefer er nachher bei dem wissenschaftlichen Gespräche fällt.
Unter diesen Umständen, meint Sokrates ironisch, wird es wohl am besten sein, wenn ich dein Schüler werde und vor der Processverhandlung mich mit dem Meletos zu verständigen suche, indem ich ihm bemerke, dass ich zwar(xl) immer die göttlichen Dinge hoch ange- schlagen habe, dass ich aber(æt— 3), namentlich seitdem er(sxeéνvos ille) mir Schuld gebe, dass ich über dieselben ins Gelag rede und Neuerungen mache, dein Schüler geworden bin. Gibst du nun zu, würde ich sagen, dass sich Euthyphron darauf versteht und die rechte An- sicht hat, so glaube das auch von mir und processiere nicht; wo nicht, so verklage erst den Puthyphron, ehe du mich verklagst, als einen, der die ältern Leute verdirbt(wie ich die jüngern Leute verderben soll), nemlich mich durch seine Lehre, und seinen Vater durch seine Zurecht- weisung und Verfolgung. Folgt er mir aber nicht und entbindet mich nicht von dem Process oder verklagt er nicht dich statt meiner, so würde ich im Gerichte eben das vorbringen, was ich ihm zur Verständigung gesagt habe. Nun wahrhaftig, antwortet Euthyphron, ich wollte seine schwache Seite(ö τ G.φαχας so) bald herausfinden, wenn er sich unterstände, mich zu verklagen, und er sollte sich vor Gericht bald eher zu verantworten haben, als ich.
Eben deswegen, versetzt Sokrates, wünsche ich dein Schüler zu werden, weil ich das einsehe, und weil ich weiss, dass dich weder sonst jemand noch dieser Meletos, wie es scheint, bemerkt, als einen unschädlichen Narren, während er mich so scharf und leicht herausgefunden, weshalb er mich der Irreligiosität anklagt. Jetzt nun sage mir, was du so genau zu wissen ver- sichertest, was ist religiös(4νερες*ε)) und was irreligiös, soουον mυωο⅔ es sich um einen Mord, als um andere Dinge handelt, oder ist nicht das Fromme in jeder Handlung sich selbst gleich, und das Gottlose das Gegentheil vom Frommen, sich selbst aber gleich und unter einerlei Gestalt erscheinend, d. h. ein und denselben Begriff darstellend, was die Gottlosigkeit betrifft, alles was eben gottlos sein soll-
Mit dieser Frage gelangen wir zum
*) Diesen Ausdruck gebraucht er zunächst, weil er dοεεεαςᷣ angeklagt ist, geht aber dann sogleich zu dem Ausdruck οιν über, welcher mehr auf die Gesinnung geht, während roeνε zunächst die äussere Ver- ehrung der Götter bezeichnet.


