Aufsatz 
Ueber die griechische, insbesondere die Prosa-Lectüre in Prima / vom Oberlehrer Dr. Collmann
Entstehung
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8 auch nur mündlich, zu repetieren, habe ich schon lange so gehalten, angeregt durch Wytten- bachs Bemerkung, dass er nie zu einem grössern Abschnitt fortgeschritten, ohne den vorher- gehenden repetiert zu haben, und ich finde, dass dieses das beste Mittel ist, das Interesse an dem Schriftsteller zu wecken und zu erhalten*).

Nun noch ein Wort über die Nebenlectüre, welche ich auch in gewissem Sinne Privat- lectüre nennen könnte. Wenn ich oben gesagt habe, dass die Lectüre des Nebenschriftstellers hauptsächlich auf die Ferien verlegt wird, so will ich doch bemerken, dass ich die zu lesenden Abschnitte eine gewisse Zeit vorher bezeichne, so dass es sich jeder nach Belieben einrichten kann, je nachdem er die Ferien dazu verwenden will oder nicht. Auf diese Weise suche ich die Frage von dem Privatstudium zu lösen*). Zwar weiss ich wohl, dass damit nicht alles gethan ist, dass im Gegentheil noch viel zu thun übrig bleibt; einstweilen bin ich damit zu- frieden und bin froh, wenn mir nichts hindernd in den Weg tritt. Bei der Controle dieser sogenannten Privatlectüre aber verfahre ich so, dass der Schüler, wenn er vor mir bestehen will, sich sein Pensum(Herodot z. B. cca. 40 Kapitel, Xenophon 30 40 Paragraphen u. S. w.) dergestalt angeeignet hat, dass er mir gleich in der ersten Stunde nach den Ferien Rechenschaft geben kann über den Inhalt des Ganzen von Anfang bis zu Ende, über Zusammenhang im ein- zelnen, über die wichtigsten Redensarten und Wendungen, über die charakteristischen Formen in der Behandlung, über die Anschauungen des Schriftstellers, z. B. des Herodot in seiner episodenreichen Erzählung, in der Ansicht vom göttlichen Walten. Man vergleiche z. B., wie derselbe sich über die Erschütterung von Delos zu Anfang der Perserkriege ausspricht, im Vergleich zu der Art, wie Thukydides sich darüber äussert**). Alsdann wird das Ganze oder werden einzelne Abschnitte schnell übersetzt und zum Schlusse wo möglich eine Uebersicht des Gelesenen schriftlich zusammengestellt, von Herodot z. B. eine Grammatik seines Dialekts.

Schliesslich noch ein Wort über die Einleitungen. Demosthenes erfordert eine etwas umfangreichere Einleitung als die beiden andern, denn nicht bloss ein Abriss der Geschichte der Beredsamkeit bis auf Demosthenes ist zu geben, sondern auch eine detaillierte Schilderung der frühern und gegenwärtigen Verhältnisse Macedoniens zu Athen und, insbesondere als Ein- leitung zur Rede vom Kranz, eine specielle Darstellung des Lebens unseres Redners. Für die peiden andern, undzwar für Herodot bedarf es bloss einer kurzen Uebersicht über die Logographen und Herodots Werk mit einem Ueberblick über das Geschichtswerk des Thukydides im ganzen, so wie für

blaton eines kurzen Abrisses der Geschichte der Philosophie bis auf Platon. Alles andere ist über- flüssig und bedarf der Erwähnung erst bei der Lectüre, welche man nicht zeitig genug beginnen kann.

Bildungsgehalt der Schriftsteller nochmals übersichtlich zusammengefasst wird, so gewinnt der Schüler auch

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eine sachliche Kenntnis des Alterthums u. s. w. Die Hauptsache aber ist mir hierbei, dass der Schüler eine gewisse Neigung zu seinem Schriftsteller gewinnen möchte, dem er so vieles zu verdanken hat.

*) Vgl. das hübsche Programm von Freund Schimmelpfeng, Ueber die gruppierende Methode. Marburg 1865.

**) Weidner a. O. räth, in Secunda zum Privatstudium nur Cäsar zu benutzen. Dass hierdurch mit Sicherheit etwas tüchtiges gelernt wird, bin ich überzeugt, ob aber das Privatstudium hierdurch angeregt wird, ist eine andere Frage, wenigstens aus eignem Antriebe greift nicht leicht ein Schüler zu einem Schrift- steller, welchen er schon gelesen hat.

1n) Herod. VI, 98: ToTro uεν τντινισςι νν⁴ι˙μινωο roy.1G6vrν εαρνειο ασνbμϋνν εςσνν ϑιισς. Thukyd. II, 8: Aspero ddn Ʒε‿ εεμει το⁸ u*³υpevοεοα οεννmπαά