14
auch in der höchsten Gefahr dem Gegner den Vortheil abzugewinnen und Herr der Lage zu bleiben.— Endlich liefert uns die Fügung der vorhergehenden Begebenheiten einen neuen Beweis dafür, dass Cäsar, wie alle grossen Männer der Geschichte, unter dem besondern Schutze einer höheren Macht stand, welche alle menschliche Berechnung durch- kreuzt und durch anscheinend geringfügige Umstände ihren von niemand geahneten Plan durchführt.
Vercingetorix, der einzige Mensch in ganz Gallien, der sich mit Cäsar an Talent und Tapferkeit messen konnte, hatte es auf einen Volkskrieg, einen Kampf auf Leben und Tod abgesehen. Es war ihm bereits gelungen, seinen Gegner vor Gergovia zurück- zuschlagen. Cäsar muss abziehen, ihm das südliche Celtenland Preis geben und seine Vereinigung mit Labienus suchen, um so als Meister der Schlachten entweder mit Einem Hauptschlage den Gegner zu vernichten, oder im Falle des Misslingens sich in die Provinz zurückzuziehen. Er geht über die Loire zurück; Vercingetorix folgt ihm mit seiner sanzen Macht auf dem Fusse und nachdem er noch bedeutende Verstärkungen an Fussvolk und Reiterei an sich gezogen: erklärt er Kap. 66. in seinem Kriegsrathe: Venisse tempus victoriae. Fugere in provinciam Romanos Galliaque excedere. Id sibi ad praesentem obtinendam libertatem satis esse; ad reliqui temporis pacem atque otium parum profici: majoribus enim coactis copiis reversuros neque finem bellandi facturos. Proinde agmine impeditos adorirentur. Darauf lässt Vercingetorix von allen Seiten her angreifen. Cäsar muss Halt machen und die Schlacht annehmen. Kap. 67. Consistit agmen, impedimenta- intra legiones recipiuntur. Gewiss würde nun Vercingetorix, wenn er hier schon gesiegt und Cäsar seine eigne Niederlage hätte überleben wollen, denselben hingerichtet haben, besonders nachdem Cäsar erst kurz vorher(VI. 44) an Acco eine grausame Todesstrafe vollzogen, worüber sich die gallischen Fürsten erbittert zeigen und Aehnliches für sich selbst fürchten(VII. 1, 4); und Vercingetorix hatte Verstand genug, um sein eignes Schicksal im Falle der Niederlage vorauszusehen, dass er nämlich im Triumphe zu Rom aufgeführt und dann hingerichtet werden würde, wie uns dies Dio Cassius berichtet. Wäre er also Sieger geblieben: so gab es seit dem Jahre 52 vor Chr. keinen Cäsar mehr, oder wenn er sich durch die Flucht gerettet hätte: so ging es ihm, wie Napoleon I. nach dem Uebergange über die Beresina, er hatte keine Veteranen mehr, kein erprobtes, ihm über alles ergebenes Heer. Ohne letzteres aber waren die Siege bei Pharsalus, bei Thapsus, bei Munda unmöglich, Cäsar wurde nicht Herr der Welt. Seine ganze Zukunft hing also von dem Siege hier oder bei Alesia ab, und dieser war sonach ein welt- historisches Ereigniss.
Dass ferner Cäsars Geist und die persönliche Allgewalt über seine Soldaten es war, die ihm überall den Sieg verschaffte, davon liefert auch der Kampf vor Alesia einen merkwürdigen Beweis, auf den wir weiter unten ausführlicher zurückkommen werden. Seine Dispositionen waren überall meisterhaft; aber auch in gan⸗z unvorhergesehenen


