Aufsatz 
Erklärung einiger Stellen in Caesars Denkwürdigkeiten des gallischen Krieges / von Fr. Carl Reinh. Ritter
Entstehung
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Gefahren, hier wie einst beim Ueberfalle der Nervier(II. 20 ff.), im entscheidenden Augenblicke bei Munda u. a. zeigt sich gerade im fürchterlichsten Gedränge der Geist, Cäsars erhaben über alle Wogen des Kampfes; und als wäre grade die höchste Gefahr immer die Geburtsstätte seiner genialen Erfindungen: so ergreift er erst in solchen Momenten, wo alles auf dem Spiele steht, mit ruhiger Besonnenheit und überraschender Schnelligkeit das einzige und sichere Rettungsmittel, wodurch der Sieg auf seiner Seite bleibt.

Aber und dies mag das Letzte sein, worauf wir aufmerksam machen wollen Cäsar konnte die vorhandene Lage, die sich bietenden Schwächen der Gegner nicht benutzen, sein Scharfblick konnte im entscheidenden Momente nicht den glücklichen Griff thun: wenn nicht eine höhere Macht, vor welcher es keinen Zufall gibt, alles bis auf die kleinsten Umstände vorbereitete. Cäsar aber war dann jedesmal der Mann dazu, seiner- seits nicht auf sich warten zu lassen. So war es bei dem durch Vercingetorix hervor- gerufenen allgemeinen Aufstande Galliens soweit gekommen, dass Cäsar sich auf keine Völkerschaft, selbst auf seine bisher so getreuen Häduer mehr verlassen konnte. Nun hatte Cäsar in allen seinen gallischen Kriegen nie eigne, römische Reiterei; sondern er hob sie in jedem Frühjahre von den gallischen Völkerschaften aus. Sie war jedoch auch wenig tapfer und nie zuverlässig. Jetzt aber würde ihm keine einzige gallische Völkerschaft auch nur die kleinste Abtheilung Reiterei gestellt haben. Selbst die Häduer waren nach Kap. 37. 63. und 76. ganz von ihm abgefallen. Auch von der Provinz und von Ütalien war er gänzlich abgeschnitten. In dieser höchst misslichen Isolirung liess ihm das Schicksal nur Einen Weg offen; und Cäsars Scharfblick entdeckte und benutzte alsbald seinen Wink. Er sagt Kap. 65, 4: Caesar, quod hostes equitatu superiores esse intelligebat et interclusis omnibus itineribus nulla re ex provincia atque Italia sublevari poterat, trans Rhenum in Germaniam mittit ad eas civitates, quas superioribus annis pacaverat, equitesque ab his arcessit et levis armaturae pedites, qui inter eos proeliari consuerant. Dass diese Germanen kräftiger, tapferer und zuverlässiger waren, als die Gallier, wissen wir zwar auch anders woher; aber Cäsar stellt ihnen auch selbst VI. 24, 4 6. dieses Zeugniss aus, wo er sagt, die Gallier seien fräher wohl in Germanien eingedrungen. Nanc quidem in eadem inopia, egestate patientiaque Germani permanent, eodem victu et cultu corporis utuntur; Gallis autem provinciarum propinquitas et transmarinarum rerum notitia multa ad copiam atque usus largitur: paullatim assuefacti superari multisque victi proeliis ne se quidem ipsi cum illis virtute comparant. Diese tapfere germanische Reiterei und das mit ihr eng verbundene Fussvolk, welche überdies noch von Nationalhass glühten, brachen Cäsarn erst die Bahn zum Siege und thaten sich bei jeder Gelegenheit glänzend hervor. Cäsar sah sich nämlich, als er nach seiner Wiedervereinigung mit Labienus(VII. 62, 10) durch das südliche Ende des Lingoner-Gebietes in das der Sequaner sich zurückzog(Kap. 66), um sich als letzte Möglichkeit einen Weg in die Provinz zu