Aufsatz 
Erklärung einiger Stellen in Caesars Denkwürdigkeiten des gallischen Krieges / von Fr. Carl Reinh. Ritter
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

si ita accidat bezeugen. Daher legt derselbe auf der Nord- und Nordostseite seines so eben mit ausgezeichneter Kunst gegen Alesia hin befestigten Lagers(Kap. 72. 73.) eben so ausgedehnte(pares) und eben so beschaffene(ejusmodi generis) Schutzwehren an. Er wählt dazu ein möglichst ebenes Terrain aus(regiones secutus quam potuit aequissimas) und schliesst mit seinen Verschanzungen einen Raum von 14000 Schritten, d. h. von beiläufig 3 deutschen Meilen(zu 5000 Schritten gerechnet) ein. Denkt man sich dem- zufolge die gesammten Verschanzungen des 72. 73 und 74. Kapitels als Eine geschlossene Kurve: so hatte dieselbe einen Durchmesser von beiläufig einer deutschen Meile, d. h. so weit waren die Alesia gegenüber liegenden Werke, wo Cäsar sein Hauptquartier hatte, von den äussersten Punkten der Kap. 74. neu angelegten Werke entfernt. Wir dürfen uns über die Weitläufigkeit solcher Verschanzungen nicht wundern; denn Kap. 69 wird gesagt: Ejus munitionis, quae ab Romanis instituebatur circuitus XI milia passuum tenebat, d. i. 2 ½ deutsche Meile und es gehörten 23 Kastelle dazu. Ebenso dehnte sich das oben(II. 7) erwähnte Lager der Belgen mehr als 1 ¾ deutsche Meilen weit aus. Wenn nun jener Landsturm, der jede Stunde heranrücken konnte, unvermuthet oder zur Nachtzeit herankam, und Cäsar hätte gar keine oder nur leichte und schwache Verschanzungen im Rücken gehabt: so konnte der Feind schon grosse Vortheile errungen haben, vielleicht schon gar in diese Befestigungslinien eingedrungen sein und Cäsars Hauptmacht im Rücken bedrohen, ehe nur Cäsar davon Kunde erhielt oder ehe seine persönliche Herankunft, wozu die doppelte Zeit erfordert wurde, die Seinigen ermuthigen und ehe seine Geistesgegen- wart den Sturm zurückschlagen konnte. Denn das wusste er wohl, dass bei so schwierigen Verhältnissen seine Officiere weder die nöthige Geistesgegenwart noch auch das erforderliche Vertrauen der Soldaten besassen; sondern dass von seiner Persönlichkeit allein der glückliche Erfolg abhänge, wie sich das auch in allen seinen Kriegen bewährt hat. Vgl. 2z. B. bell. gall. II. 20., den Kampf mit den Nerviern. Auch weiter unten VII. 87. 88 in der Entscheidungsschlacht vor Alesia leiden die Seinen anfangs Noth und werden zurück- gedrängt. Sobald sie aber den rothen Feldherrnmantel erblicken: durchdringt frische Begeisterung seine Schaaren, Siegsgeschrei empfängt den herannahenden Feldherrn von allen Seiten, sie stürzen sich in den gefährlichsten Kampf, jede Kombination gelingt und bald ist der welthistorische Sieg erfochten hostes terga vertunt. Besonders lehrreich in dieser Beziehung ist auch bell. afric. cap. 10. und die Schlacht bei Munda liefert gleichfalls einen Beleg..

Aus diesen Gründen befestigte Caesar die Kap. 74 erwähnten Aussenwerke mit eben solcher Kunst, wie die innern, Alesia gegenüberliegenden, was wir auch aus des Critognatus weiter unten Kap. 77. angeführter Rede ersehen, wo dieser sagt: Quid ergo? Romanos in illis ulterioribus munitionibus animine causa quotidie exerceri putatis? Si illorum nuntiis confirmari non potestis omni aditu praesepto, his utimini testibus appropinquare eorum adventum; cujus rei timore exterriti diem noctemque in opere versantur. Sodann