Aufsatz 
Erklärung einiger Stellen in Caesars Denkwürdigkeiten des gallischen Krieges / von Fr. Carl Reinh. Ritter
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Feinde 1 ¾ deutsche Meilen vom römischen Lager zur Seite in einem Hinterhalt disseits eines Thales, die andere Hälfte Jenseits; und sobald das römische Heer in dies Thal hinabgezogen war: griffen jene von hinten, diese von vorn an. Wir dürfen also auch hier übersetzen: von etwa deutsche Meilen an erwarteten die Feinde in gedeckter Stellung die Ankunft der Römer.

4) lib. VI. 7, 3. Die Trevirer ziehen mit einem grossen aus Fussvolk und Reiterei bestehenden Heere gegen den in ihrem Gebiete im Winterlager stehenden Labienus. Positis castris a milibus passuum XT auxilia Germanorum exspectare constituunt, in respekt- voller Entfernung von 3 deutschen Meilen an lagern sich gewiss auf keinem kleinen Raume die»magnae coactae peditatus equitatusque copiae Treverorum«.

5) lib. VIII. 36, 1. Re bene gesta Caninius ex captivis comperit partem copiarum cum Drappete esse in castris a milibus longe non amplius XII macht weiter gar keine Schwierigkeit; der Beisatz longe soll weiter unten erklärt werden.

6) de bello civ. I. 65. Cäsars Feinde, Afranius und Petrejus, hatten Ilerda in Spanien verlassen und waren über den Sicoris gegangen, um mittelst einer Brücke auch den Ebro zu überschreiten. Caesar folgt ihnen in einem starken Tagemarsche über den Sicoris, erreicht sie schon Nachmittags 3 Uhr und harçelirt sie. IIli necessario maturius quam constituerant castra ponunt. Suberant enim montes atque a milibus passuum Quinque itinera difficilia atque angusta excipiebant. Hos intra montes se recipiebant, ut equitatum effugerent Caesaris. Die Feinde suchten die Berge und Engpässe zu gewinnen (mperf. conatus); wurden aber von Cäsar überrascht und mussten sich noch auf der Ebene verschanzen. Also auch hier wieder der Anfangspunkt der Messung, das feindliche Lager, darauf eine deutsche Meile Weges noch in der Ebene und von deren Endpunkt, an Gebirge und Engpässe.

7) Endlich Livius XXIV. 60. Fabius ab Suessola profectus Arpos primum instituit oppugnare. Ubi quum a quingentis fere passibus castra posuisset, contemplatus ex propinquo situm urbis moeniaque quae pars tutissima moenibus erat ea potissimum aggredi statuit.

Also auch bei Livius dieselbe Wendung und dieselbe räumliche Vorstellung. Das römische Lager bildete nämlich ein grosses, in der Fronte und nach Innen weit ausgedehntes Viereck. Da aber die Entfernung vom Feinde eine sehr wichtige Rücksicht bei Bestimmung seines Ortes war: so war es natürlich, dass die in solchen Dingen scharf denkenden und sicher rechnenden Römer nicht aufs Ungefähre hin, sondern nach der Entfernung der Fronte oder der porta praetoria vom feindlichen Standquartiere ihre Orts- angaben machten, ähnlich wie wir die Schusstweite genau bestimmen.

Wir haben es also hier lediglich mit einem militärisehen Kunstausdruche zu thun, den wir fast ausschliesslich bei Caesar finden und der wohl auch bei Livius aus irgend einer militärischen Quelle geflossen ist; möglich dass er aus der älteren Latinität oder