widerspricht den obigen Erklärungen der Alten selbst. Wie kann man Waldungen auf einem so schmalen Sumpfstriche, wie kann man Schluchten und Engpässe in einem Sumpfe suchen, der doch seiner Natur nach auf der Ebene und in der Tiefe liegen muss? Endlich fürchten sich die Feinde auch nicht davor, dass die Römer sich durch solche Waldstellen oder Engpässe hindurch am Sumpfe vorbei schleichen; sondern die Worte si eam paludem perrampere conarentur zeigen an, dass der Sumpf selbst, seine besondere Natur und Beschaffenheit, den Galliern Besorgnisse einflösse. Niemand wird bei den Worten haesitantes premerent daran denken, dass die Römer im dichten, undurchdringlichen Walde oder in der Enge der Felsschluchten von den Galliern überfallen werden sollten; sondern er muss denken, dass sie bei dem kühnen Uebergange bis an die Knie oder noch weiter im Wasser oder im Sumpfe stecken und so als impediti und perturbati mit Lcichtig- keit von den Galliern zurück geschlagen werden können. Ueber diese ganze verfehlte Erklärungsweise bemerkt Nipperdey(C. Jul. Caesaris commentarii etc. Lips. 1847. p. 90. der Quaestiones Caesarianae):»In qua palude quemadmodum saltus commemorari potuerint, nulla ratione neque intelligi neque explicari potest. Nam et paludem planam atque demissam fuisse necesse est, et qui fieri potuit, ut in tam exiguo spatio, cum palus non esset latior pedibus quinquaginta, non unus, sed plures saltus essent? Nam is quidem, qui hic»waldige engpaesse dieses sumpfes« interpretatur et saltus Thermopylarum ex Liv. XXXVI, 15. comparat, veritus videtur, ne ridendi materia hominibus deesset«. Wenn demnach saltus an unsrer Stelle unmöglich weder Waldgebirge, noch waldige Zugänge, noch Waldungen überhaupt heissen kann, das Wort sich auch nicht aus dem Texte vertilgen, ja nicht einmal mit einem ähnlich klingenden vertauschen lässt: so bleibt wohl nichts anderes übrig, als sich nach einer neuen, bisher noch von keinem Ausleger gewagten Erklärung des Wortes saltus umzusehen. Wenn wir dann zu diesem Zwecke auf die Grundbedeutung des Wortes zurückgehen: so befolgen wir ein Verfahren, welches wohl das einzig richtige ist, um uns zum Verständniss einer alten Sprache zu führen und welches namentlich, beim Jugendunterrichte angewandt, stets vom bessten Erfolge begleitet wird. Das Wort saltus an unsrer Stelle ist nämlich gar nicht mit sς und AAcls verwandt; sondern ist ein zweites Wort der lateinischen Sprache zwar desselben Klanges, welches aber auf die Wurzel der Zeitwörter salio, αt, springen, zurück- führt. Dieses zweite Wort saltus bedeutet: locus, ubi saliendum est, commode iri non potest. Dieses ist es, welches in Stellen vorkommt, wie saltus Thermopylarum, Liv. 36, 15. Celeriter Pyrenaeos saltus occupari jubet. Caes. b. civ. I. 37. Ut ille latebris ac silvis aut saltibus se eriperet. Caes. b. g. VI. 43. Nemorum jam claudite saltus. Virg. Ecl. 6, 56, woselbst man doch nicht Bäume in den Wald wird tragen wollen. Und gerade wie ddu (von dνοα) zuerst Sprung, sodann aber auch den Ort, wohin oder corauf man springt, —οκμ, zuerst Lauf, alsdann aber auch die Laufbahn, den Ort zum Laufen oder Umher- gehen bedeutet: so scheint uns saltus an unsrer Stelle zuerst das Springen, den Sprung;
Aufsatz
Erklärung einiger Stellen in Caesars Denkwürdigkeiten des gallischen Krieges / von Fr. Carl Reinh. Ritter
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