1
Eben so ungerechtfertigt und nutzlos ist es, unsrer Stelle durch Konjekturen helfen zu wollen, was H. J. Heller im Philologus von E. v. Leutsch(Göttingen 1858. XIII. S. 397) versucht. Er will„salicta« statt saltus lesen und fügt zur Rechtfertigung hinzu: „Salices in paludibus nasci, si nondum videretur constare inter omnes, doceret Ovid. Met. XI, 363:
Juncta palus huic est, densis obsessa salictis.
Et in salictis latere consuesse milites in insidiis collocatos, auctor est Liv. XXV, 17, 1: Cum forte inter salicta innata ripis laterent hostes.— Aber im Wasser des Sumpfes wird wohl noch niemand Weiden haben wachsen sehen; sie lieben blos die Ufer der Flüsse, Bäche und Sümpfe, wie dies übrigens auch Livius ganz deutlich aussagt: salicta innata ripis. Sodann ist unglücklicherweise bei Livius gar nicht von Römern, sondern von Puniern die Rede, welche den Prokonsul Tib. Sempronius Gracchus in Lukanien in einen Hinterhalt locken und tödten. Ja Livius berichtet dies nicht einmal als Thatsache, sondern nur als Gerücht. Den wahren Hergang erzählt er am Ende des vorigen Kapitels. Und wenn Livius selbst sagt: forte latebant hostes: so wird Heller doch daraus keine con-— suetudo, weder der Römer noch der Punier und an unsrer Stelle der Gallier, sich hinter Weidenstümpfe zu verstecken, herleiten wollen. Denique, sagt Heller, satis pronum fuisse opinor librariis,»salicta« et»saltus« commutare. Aber schwerlich wird jemand den Bücherabschreibern Schuld geben, eine ganz leicht verständliche Lesart in eine völlig für sie unverständliche umgewandelt zu haben.
Schade, dass man nicht auch an dem Zahlworte quinquaginta rütteln kann, was schnell aus aller Verlegenheit retten würde. Denn wenn man statt quinquaginta auch nur quingentis lesen wollte: so würde diese Verzehnfachung der Breite des Sumptes sehr schlecht zu den Worten des gleichfolgenden Satzes passen: ut, qui propinquitatem loci videret, paratos prope aequo Marte ad dimicandum existimaret. Ebensowenig zu dem Anfange des weiter folgenden Satzes: Indignantes milites Caesar, quod conspectum suum hostes perferre possent tantulo spatio interjecto— edocet etc.
Gehen wir nun zur Feststellung der Bedeutung des Wortes saltus über. In der gewöhnlichen Bedeutung»Waldgebirge« ist es sicher und nach allgemeiner Annahme verwandt mit dem griechischen dοςσ. Dieses hat dieselbe Wurzel, wie, ‿⁶ιάαένο, A³σω ⁵ᷣ* νω, dσα, alo, alle mit dem Sinne: wachsen machen, gross machen, nähren. Und fügen wir noch den Namen für den heiligen Hain des Zeus in Olympia(Pindar. Olymp. 10, 55), das eleische Aaτνςα, ¹0 hinzu: so sehen wir, wie am Ende der Wurzel die Zungenbuchstaben d,%, z, G mit einander wechseln, wodurch die Ableitung des Wortes saltus von derselben Wurzel wohl als gesichert zu betrachten sein dürfte.
Wenn wir nun, wie dies gewöhnlich geschieht, saltus durch»Waldgebirge« über- setzen: so scheinen folgende 5 Merkmale für diesen Begriff festgehalten werden zu müssen: 1) Wald, 2) darin befindliche Weideplätze, 3) Uncbenheit des Bodens, oder Abwechselung


