Aufsatz 
Geschichte des akademischen Pädagogiums in Marburg / von Christian Koch
Entstehung
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gütern gleichzeitig errichtet war. Daher heisst es im ersten Album:»aæus der deutschen Freuhaitsverschreibung für die Universität Marpurgk von Philips, von Gotts Gnaden Landtgrave u. s. w. für ihn und seine Nachkommen, unter der Bedingung von Treu und Gewärtigkeit gleich allen andern seinen Getreuen, mit Eid etc. ad Sancta Evangelia. geben Dienstags d. letzten Tag des Monats August nach Christi unsers Herrn Gepurt, gezelt tusent fünff hundert neunm und ubanzig Jar«.»Demnach(damit] allerlei Irthumb, Ketzerei und Missbrauch nit gewaltiger wiederumb dann bisher einreissen so haben wir in unser Stadt Marpurgk neben der Bibliothek uff unserm Schloss daselbst auch ein löblich Universal-Studium fürgenommen und uffrichten lassen des vordern Jars mit besondern fürtreffenlichen Vorteil, Prerogativis, Privilegien, Gnaden und Freihaiten, von unsern geistlichen Lehen, Prebenden, Beneficien, Sacerdotien und Clostergütern Daraus zum Ersten: Professorum stipendia u. s. W. Zum Zweiten: so wollen wir auch, dass alle und yede Studenten, Schulere[scholares] der Collegien und pedlagogii 2zu Mar- purgk und sonst menniglich, so zu studiren neygung hat, von den gemelten unsern doctoribus, Magistris ordinariis und prelectoribus alle und yede prelectiones ordinarias hienach erzelt vergebenlich Id. i. gratis, nicht frustra!] und ohne einig ihre vergelten be- suchen und anhoren sollen und mogen«.(Hieraus sieht man, wie sehr es dem Landgrafen darum zu thun war, die Bildung seiner Unterthanen zu erleichtern. Die Universitäten und Schulen des Mittelalters, ohne öffentlichen Gehalt oder hinrcichende Dotation, hielten mit ihren Kenntnissen einen offenen Markt daher die beliebte Phrase: ad omnium bonarum literarum mercatum confluere wohin nur Reiche und Bettler oder scholares vagantes mit ihren Schützen gelangen konnten. Der Landgraf verwandelte die nachmals für Marburg und Giessen getheilten Klostergüter in Besoldungen, und verlangte nun jene lectiones publicas. Im Verlauf der Zeiten mussten Einrichtungen dieser Art auf eine doppelte Art umschlagen: zu Oxford und Cambridge in gelehrte Sinekuren, wo der Pro- fessor so viel wie Nichts liest, und den ÜUnterricht Privatdozenten(tutors) überliess; in Deutschland, wo er nur pro forma noch publice liest, in ⸗prelectiones ordinarias« für ein fixirtes Honorar oder für ein unbestimmtes in den sogenannten privatissimis).

Zu gleicher Zeit erliess Philipp 1529 den 3ten August folgendes Ausschreiben in lateinischer Sprache, das als ältestes Statut für Universität und Pädagogium angesehen werden mag, und woraus ich zur Probe folgendes gleichfalls Ungedruckte in buchstäblicher Mittheilung folgen lasse:

»Philippus Dei gratia Lantgravius Hessie, comes Catzenelnpogen, in Dietz, Ziegen- hain et Nidda, Doctoribus, Magistris, Professoribus et Scholasticis Academiue nostre Marpurgensis Salutem!«»Periclitantibus hoc seculo literis qualemcunque opem laturi, commaune studiorum Ggmnasium atgue illud trilingue(d. h. mit Hinsicht auf lateinische, griechische und hebräische Quellenstudien) in civitate nostra Marpurgi instituimus, unde viri Sοu⁴⁵πσο non minus eruditione quam prudentia et pietate conspicui prodirent,