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würde sich damit von selbst wohl machen.— Merkwürdig aber, ja beschämend selbst für unsere Zeiten, sind im 31ten Hauptstück die Worte:»Es seien überdiess in Städten und Flecken, wo möglich auch in Dörfern Töchterschulen(puellarum scholae), denen gebildete, gesetzte und fromme Frauenzimmer(doctae, maturae et piae foeminae) vorstehen sollen, welche die Anfangsgründe der Religion, desgleichen Lesen, Nähen und andere weibliche Arbeiten zur dermaleinstigen häuslichen Bestimmung lehren sollen. Geistliche Behörden und Aufseher sollen mit Nachdruck darauf halten(Episcopi et visitatores instent ut haec fiant); es war aber durch die in obiger Einleitung erwähnte Brüder- und Schwesterschaft der Gogelherrn seit mehr als einem Menschenalter in Cassel, Marburg, Butzbach u. s. w. schon ausgeführt, wobei merkwürdig ist, dass diese Vereine in protestantischen Landen in den neuen Lehrstand der Universitäten und Schulen, in katholischen aber durch einen natürlichen Gegensatz in den der Jesuiterkollegien sich auflöste.—»Ueberdiess wollen wir, fährt die Synode fort, dass sowohl Morgens als Abends auch die Mägdlein in den heiligen Schriften geübt werden, dass sie einen Psalmen gemeinschaftlich, und eine von ihnen ein Kapitel der Bibel, wie wir oben von den Knaben gesagt, lesen. Dieses sollen sie aber in der Landessprache(vulgariter) lesen«.—(So verdanken wir also die Er— haltung unserer kräftigen Ur- und Mattersprache den deutschen Frauen, deren Männer oder Söhne sie in fremden und eigenen Landen mehrfach zu verlieren oder zu verderben in Gefahr waren, und in Gallien, Britannien etc. wirklich verloren, verloren an ein welsches Idiom, das noch unter Napoleon den Deutschen practisch und in einer namhaften Stimme zumuthete: d'abjurer leur idiôme!)
Gelehrte Schulen, im spätern Sinne des Worts, gab es damals in Hessen noch gar nicht. Nur das gewöhnliche Kirchenlatein mit etwas Trivium und Quadrivium, d. h. Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen, ward in jeder Stadt, wo ein Kloster oder stift war, gelehrt. Zufällig hatte das Stift Wetter unter seiner Aebtissin, Elisabeth v. Brück, auf die durch die Griechen in Italien geweckte humanistische Bildung des Zeitalters die rühmlichste Rücksicht genommen. Die nächste hohe Schule für die Hessen war damals, wie bereits in der Einleitung erwähnt, zu Erfurt, wo die klassische Literatur und Sprache durch die erleuchtetsten Primaten Germaniens geschützt und gepflegt wurde, während sie zu Cöln unter Italien's Primaten noch keine Freistadt gefunden. Daher gereichten in Erfurt Eobanus Hessus und Euricius Cordus ihrem Vaterland zur Zierde, und der edleren Bildung zur Förderung; in Cöln dagegen blühten die dunkeln Männer, als Gegenstand des Spottes aller Besseren. Allein dort wie hier versperrte noch die herkömmliche Schul- gelehrsamkeit aus der veralteten Priesterherrschaft den Weg für die veränderten Lehr- bedürfnisse des Zeitalters.
Daher heisst es im 29ten Hauptstücke der Homberger Synode:»Weil es Gott gefallen hat, das Herz unsers Fürsten zu bewegen, dass er, bei dem jetzigen Glanze des Evan- geliums, zu Marburg ein Universal-Studium errichten will u. s. w.: so untersagen wir,


