um den völligen Contrast zwischen dem Lichte des wieder in der Ursprache gelesenen Evangeliums und der von den Dominikanern insonderheit in ein System gebrachten Finsterniss zu zeigen, und das zwar an scheinbar geringen Männern wie Luther und Zwingli, die nichts wollten, als ihre Pflicht erfüllen; und siehe da, die so sehnlich als ver- geblich von allen Guten über sechs Menschenalter gehoftte Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern brach an wie das verhängnissvolle Frühroth einer neuen christlichen Bildungsstufe. Hier ist der Zeitpunkt, Wo unsere Einleitung sich endigt, wo Landgraf Philipp, wichtig für ganz Deutschland, und die Homberger Sunode, wichtig als Grund- lage der neuen Ordnung der Dipge für alle Hessen, auch für Marburg's selbst den Namen nach noch fortdauernde Lehranstalten die erste Ursache und Veranlassung geworden sind.
Indem mir nun meine Amtspflicht erst jetzt wieder etwas für den Druck zu schreiben auferlegt, nachdem bereits die im Herbste des Jahres 1526 gehaltene Synode von Homberg durch Herrn Metropolitan D. Geisse in ein würdiges Andenken gebracht, und die im Sommer des Jahres 1527 mit dem Pädagogium gleichzeitig gestiftete Universität und ihre Feier von Herrn Superintendent D. Justi geschichtlich dargestellt worden: glaubte ich keinen zeitgemässeren Gegenstand für diessmal wählen zu können, als einen Rückblick in die drei vergangenen Jahrhunderte derjenigen Lehranstalt, an welcher ich selbst schon vier und zwanzig Jahre als Lehrer und hessischer Unterthan angestellt bin.
Es sei mir vergönnt, diesen Rückblick einen Beitrag zur Geschichte des öffentlichen Unterrichts zu nennen, um wenigstens das Bestreben anzudeuten, das Licht der all- gemeineren in jedes noch so kleine Institut einwirkenden Cultur niemals zu verkennen. Wo ich mich geirrt haben sollte, werde ich jede freundliche Zurechtweisung mit, aller Dankbarkeit annehmen. Denn mein Zweck ist kein anderer als Wahrheit nach ver- hältnissmässiger Vollständigkeit meiner Quellen und Hülfsmittel. Nur so leistet jede Geschichte in ihrer Art den Nutzen, den schon Cicero*) so kurz als beredt von ihr ge- rühmt hat, und einer unserer neuesten Geschichtschreiber**) insonderheit in»Muth zum Ertragen und Widerstehen, Kraft zur Erhebung über die beschränkten Ansichten seiner Zeit und Nationalität, Aufklärung über die wichtigsten Interessen der Erziehung, mit Warnungen und Belehrungen für Regierungen und Lehrer« fndet.
Ob nun gleich nichts Trockncres und Unbedeutenderes mag gefunden werden, als Particulargeschichten unserer Art: so habe ich mich dennoch bemüht, für das Besondere so viele Notizen aufzutreiben, als meine Localität möglich oder erforderlich machte, über- zeugt, dass durch die Vielheit solcher Beiträge, wie wir sie besonders seit Kurzem von mehreren Gymnasien erhielten, auch das allgemeine Interesse der Culturgeschichte nicht,
leer ausgeht.
*) de Orat. II, 9:„historia, testis temporum, lux veritatis, via memoriae, magistra vitae, nuntia vetustatis— ut etiam oratoris voce posteritati commendetur“ etc. **) v. Dresch, über den methodischen Unterricht in der Geschichte etc. S. 19.


