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so sollen sie doch auch nicht bei dem blosen delectari stehen bleiben. Aber verschieden behandelt muss der Dichter doch werden auf den verschiedenen Stufen, und wie ist diese Behandlung zu gruppieren?— Die im Wesentlichen vollständige Beherrschung der griechischen Formenlehre ist das Ziel der Tertia, die Beherrschung der Syntax das der Secunda; dann kann der Primaner lernen, in den Inhalt dessen, was er liest, einzudringen, eine demosthenische Rede, einen platonischen Dialog, eine sophokleische Tragödie als ein künstlerisches Ganze zu betrachten und zu würdigen. Darauf hat der Erklärer der ver- schiedenen Schriftsteller in den verschiedenen Classen vor Allem zu achten; aber es muss auch der Tertianer in die griechische Syntax eingeweiht werden und auch den Inhalt des Gelesenen wiederzugeben verstehen, ebenso gut wie die Schüler der beiden oberen Classen stets darauf gefasst sein müssen, nach Tertianer Art von jeder Form Rechenschaft geben zu können. Ohne den Ausspruch Nägelsbach's 1)»der Inhalt ist die Hauptsache« in seinem Rechte verkürzen zu wollen, gruppieren wir daher speciell die homerische Inter- pretation in folgender Weise:
für Tertia: 1) Worterklärung, 2) syntaktische, 3) inhaltliche;
— Secunda: 1) syntaktische, 2) inhaltliche, 3) Worterklärung;
— Prima: 1) inhaltliche, 2) syntaktische, 3) Worterklärung. Obwohl wir somit für Tertia die inhaltliche und für Secunda und Prima die Wort- erklärung erst tertio loco ansetzen, sind wir doch der entschiedenen Meinung, dass diese dritte Stelle nie zu kurz kommen darf, und dass dies, wenn es geschieht, den Schülern nur zum grössten Nachtheil gereicht. Denn, was so häufig vorkommt, dass ein Abiturient, im Maturitätsexamen über eine Quartanerfrage aus Declination und Conjugation in die grösste Verlegenheit geräth, hat seinen Grund meistentheils doch darin, dass die jungen Leute in Prima gewohnt gewesen sind, auf die Formen als auf etwas längst Abgethanes nicht mehr zu achten und so alles früher mühsam Eingelernte zu vergessen.— Mit aus diesem Grunde können wir uns daher nicht einverstanden erklären mit einer anderen Aeusserung Nägelsbach's ²), dass man den Homer nicht zu repetieren brauche, ja dass der Homer durch Repetition könne todt geschlagen werden. Für Prima kann es zugegeben werden, dass sich der Homer von selbst repetiert, für Secunda indessen und noch mehr für Tertia würde ja eine inhaltliche Erklärung geradezu unmöglich werden, wenn man nicht repetitionsweise einmal grössere Stücke zusammenfassen könnte. Eine Repbetition freilich, die weiter gar nichts ist als eine Wiederholung dessen, was da gewesen ist, verwerfen wir auch überall und verlangen daher für die Repetition des Homer, dass pesondere Zwecke dabei ins Auge gefasst werden d. h. um hiermit zu unserm Thema zurückzukehren, es muss Form und Stoff den Schülern in neuen Gruppierungen vorgeführt
1) Gymnasialpädagogik von Autenrieth. S. 39. 2) A. a. O. S. 145. und vorher S. 35.


