Aufsatz 
Die gruppierende Unterrichtsmethode / von Gustav Schimmelpfeng
Entstehung
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den Lehrer in stereotype Bequemlichkeit und die Schüler in die tödtlichste Langeweile versinken zu lassen. Aber wenn gleich dieser Standpunkt als ein in der Pädagogik über- wundener bezeichnet werden darf, so wird doch auch jetzt noch gar mancher Weg vielfach betreten, der nicht geeignet ist, die Lehrer zu veranlassen, sich immer und immer wieder umzupacken, die Schüler dahin zu bringen, dass sie mit immer neuer Lust zu den Lehrstunden kommen und an ihre Arbeit gehen. Dies kann nur dadurch erreicht werden, dass der Lehrer sich weder an die Grammatik noch an irgend ein Buch der Art bindet und fesselt, dass er nicht für jede Stunde einer besonderen Vorbereitung bedürfte, wenn der Schüler von keiner Stunde genau voraussagen kann: heute wird es so und so gemacht werden; wenn ihm vielmehr in jeder Stunde etwas Neues geboten wird und auch das Alte in einer Weise, die er nicht erwarten konnte. Dies ist eine Methode, die, wie mir scheint, in viel grösserer Ausdehnung angewendet werden kann und werden muss, ich meine ein gruppierendes Verfahren des Unterrichts.

IV.

»Scheint es auf den ersten Blick auch, als komme es in Rücksicht der Thatsachen nur darauf an, dass der Schüler sie sich überhaupt als solche aneigne, so überzeugt man sich doch leicht, dass sie für ihn keinen ungeordneten Haufen bilden dürfen, wenn sic eine brauchbare materielle Grundlage für die Bildung der Einsicht abgeben sollen. Sie dürfen deshalb nicht als eine blose Summe von abgerissenen unzusammenhängenden Notizen ihm überliefert werden, sondern als Gruppen, zu welchen sich die zerstreuten Einzelheiten so zusammenfinden, dass sie sich um eine Hauptvorstellung als ihren gemeinsamen Mittelpunkt anfangs in engeren, später in immer weiteren Kreisen herlagern«. Diese Stelle aus einem vortrefflichen Buche ¹), dem wir vielfache Belehrung zu verdanken gern bekennen, setzen wir unsern weiteren Betrachtungen vor, um zunächst sie an einem von ihrem Verfasser selbst gewählten Beispiele zu verdeutlichen, und dann an zwei von uns aus der lateinischen und griechischen Grammatik genommenen Beispielen zu zeigen, welch wesentliches Moment zur Lebendigmachung des Unterrichts die Vielseitigkeit solcher Gruppierungen ist.»An dem lateinischen Zeitwort dacere bildet für die Schüler die erste Hauptgruppe die Flexion, die in vier grössere Gruppen: daco, daxt, dacktaum, ducere, zerfällt, innerhalb deren die einzelnen tempora und numeri wieder kleinere zusammengehörige Gruppen bilden. Eine zweite Hauptgruppe ergibt sich aus den Modificationen der Grundbedeutung des Wortes»führen, ziehen⸗: dacere exercitum, fossam; uxorem, sortes, bellum u. s. w. Die dritte Hauptgruppe wird dann von den abgeleiteten

1) Allgemeine Pädagogik von Theod. Waitz. Braunschweig 1852. S. 315 u. 316. 2