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weile empfinden, wenn es in einer Lehrstunde hergeht genau, wie in der andern: erst werden die Wörter abgefragt, dann wird construiert, dann übersetzt, dann erklärt u. s. w.;— die grösste Gelehrsamkeit, die strengste Methode, der besste Wille werden scheitern an dem furchtbaren Fluche der Langeweile und Nichts ausrichten. Döderlein ¹)»kann sich einige Anlage und Neigung zum Pedantismus kaum von dem Character eines guten Schulmanns getrennt denken, wünscht ihr jedoch dringend eine Beimischung von Humor nebst der Kunst beides zur rechten Zeit walten zu lassen«. Und so gewiss der wahre Pedantismus nicht dazu angethan ist, Langeweile zu erregen, so gewiss ist der Humor doch der besste Feind gegen dies Verderben; allein die rechte Mischung beider möchte nur wenigen bevorzugten Schulmännern gelingen, und Döderlein selbst hält humoristische Behandlungsweise in wissenschaftlichen Dingen für ein aτmππνν und somit ein zweideutiges Lob ²), weshalb er auch in der Wahl zwischen einem reinen Pedanten und einem reinen Humoristen den ersteren vorzieht. Mir selbst ist zuweilen gesagt worden:»es gehe in meinen Lehrstunden gemüthlich her« und ich wusste dann nicht recht, ob dies anscheinende Lob nicht ein Vorwurf sein sollte, obwohl ich mir sagen darf, dass ich stets bestrebt bin, den Ernst der Sache auch nicht in die geringste Gefahr gerathen zu lassen,»so sehr ich den Humor schätze und seine Bedeutung anerkenne«.
Wer Döderlein's treffliche Lobrede auf den Schulpedantismus ³) gelesen hat, der wird seine Zustimmung auch den Worten nicht versagen:»Der Schullehrer soll ein Schulpedant sein, aber ich hüte mich zu sagen, dass er ausschliesslich nur Schulpedant und weiter nichts sein solle— der rechte Lehrer, der wahre Erzieher hat Pflicht und Anlass genug, neben dem Pedantismus auch seine Humanität oder Liberalität zu zeigen«.
Diese Humanität des Lehrers soll sich also darin zeigen, dass er bemüht ist seine Schüler anzuhalten, nicht blos dass sie etwas lernen, sondern dass sie mit Freuden lernen. Er hat sich immer neben der Frage, wie ist es zu machen, dass die Schüler dies oder jenes am bessten begreifen und auffassen? auch die vorzulegen: wie ist es zu machen, dass sie mit rechter Lust an das zu Erlernende gehen? Gelingt ihm dies, dann ist das Andere auch schon halb gewonnen; dazu gehört aber vor allen Dingen, dass er selbst mit wahrer, stets neuer und frischer Lust an seine Arbeit geht. Wenn aber wirklich der Tadel be- gründet ist, den man obwohl seltener doch noch zuweilen hört, dass ein Lehrer z. B. in den Sprachen das Hauptgewicht auf das Ausgehen von den Paragraphen der Grammatik legt ⁴), so wollen wir hier zum Ueberflusse nur noch erklären, dass wir diese Methode für die verkehrteste halten, die es geben kann, d. h. für diejenige, die am geeignetsten ist,
1) A. a. 0. S. 234.
2) Verhandlungen der fünfzehnten Philologenversammlung zu Hamburg. 1855. S. 48. 3) Oeffentliche Reden. Erlangen 1860. S. 71 u. f.
4) Hansen in Zeitschrift für das Gymnasialwesen 1862. S. 628.


