7
könne er doch genug, so ist er an den Spruch Juvenal's(7. 65) zu erinnern, pectora nostra duas non admittentia curas; denn wenn die Liebe bei einem andern Stoff ist, so behält der nicht mit Liebe und Interesse mitgetheilte Lehrgegenstand sein stoffartiges Wesen, anstatt dass er vom Lehrer beseelt wird, und die Schüler für ihn Interesse gewinnen. Dies ist aber insbesondere beim elementaren Lehrstoff vonnöthen«. Selbst diesem müssen wir also immer wieder neue Seiten abzugewinnen suchen und uns das Interesse an ihm nicht dadurch erschweren, dass wir ihn immer wieder auf die alte, bequeme Weise durchnehmen; ebenso müssen wir selbst wissenschaftliche Bestrebungen stets mit unserer Schule in Zusammenhang zu bringen suchen; denn ohne das»eilen wir heim aus dieser, um für jene nicht mehr Zeit zu verlieren, als es unsere Amtspflicht erheischt«¹).— So ist das besste Mittel, unsere Berufsarbeit nicht auft dem Wege des Schlendrians abzuthun, nicht wie man so oft hört, eine Nebenbeschäftigung, weder eine, zu der uns die Noth treibt, noch auch eine an und für sich sehr schöne und edle, zu der uns besondere Neigung führt; nein, die Schule selbst soll uns Mittel und Wege bieten, geistig frisch und lebendig zu bleiben; für die Schule, die Schüler und die Lehrgegen- stände, müssen wir uns aus uns selbst heraus umpacken, damit unser Gemüth nicht versauert, nicht von den Motten der Bequemlichkeit und Unlust angefressen wird.
III.
Wenn so der Lehrer ganz für seine Schule lebt, kein Mittel, keinen Weg unversucht lässt, der ihm neue Lust und neue Liebe für die Ausübung seines mühevollen Berufs zu verheissen scheint, dann wird er auch feiern»den Triumph des Lehrers, der darin besteht, dass seine Schüler mit Freudigkeit arbeiten d. h. arbeiten, und zwar mit Freudigkeit«²). Und wenn auch dies hohe Ziel in der vollen, scharfen Bedeutung von arbeiten d. h. sich geistig anstrengen, nur mit den begabteren Schülern zu erreichen ist, wenn auf der andern Seite auch einige sich finden werden, die durch gar Nichts zur Freudigkeit erhoben werden können, die nur aus Pflicht und Gehorsam arbeiten,— der schlimmste Feind der Schule, der Tod der Jugend— die Langeweile, muss fern gehalten werden von Allen; bewahrt muss jeder werden vor der»entsetzlichen Fertigkeit, welche manche jetzt früh erwerben, Vorträge und Lehrstunden ohne Aufmerksamkeit und Interesse über sich ergehen und sich dadurch früh bis zum schicklichen Stillsitzen dabei abstumpfen zu lassen« ³). Aber die Schüler müssen, und zwar je begabter, je mehr, sie müssen Lange-
1) Döderlein, pädagogische Bemerkungen und Bekenntnisse 1838. Reden und Aufsätze 1843. S. 235.
2) Döderlein, a. a. O. S. 240.
3) Henke, Ed. Platner. S. 5.


