Aufsatz 
Über die angebliche Farbenblindheit Homers / von Karl Euler
Entstehung
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In digo.

Eine besondere Bezeichnung für diese tiefblaue Farbe findet sich bei Homer nicht, sie gehört auch als solche eigentlich nicht zu den Spektralfarben. Ihren Bereich bezeichnet Zu⁴ννιοs mit.

Violett.

Die letzte Farbe des Spektrums, Violett, ist Schwarzblau mit einem Schimmer nach Rot hin, dem Aussehen des αμέ‿αν des Theophrast und unserer viola tricolor entsprechend.¹) Drei derartige Bezeichnungen finden wir bei Homer. 1ées wird von 010 0. 850 gesagt, wo wir, da es von Beilen und Axten gebraucht wird, kaum mit Veckenstedt²) an den Rost des Eisens denken dürfen, sondern lieber an das Dunkelblau der Doppelfarbe Violett. Das zweiteveilchenfarbig bedeutende Wort 10ε%6ᷣ Kommt nur dreimal vor., 298 vom 6 0s. in das sich der Sturm stürzt; es ist also das dunkelblaue den ebenso gefärbten Himmel wiederspiegelnde, ruhig daliegende Meer gemeint. Weiterhin steht es vom Meere e, 56 und 7 107 in demselben Sinn. Auch an letzterer Stelle braucht nicht an sturmbewegte See ge- dacht zu werden.¹) Meiner Ansicht nach ist von den in der Veilchenfarbe befindlichen Nuancen an den drei letzten Stellen nur das dunkele Blau, allerdings in dichterischer Uber- treibung gemeint. Wir kommen zu 100ερ. Der zweite Teil des Wortes νσοε lässt uns schliessen, dass eine dunklere Farbe gemeint sein muss. Gebraucht wird das Wort von der Wolle, der veilchengefärbten, die von der im königlich vornehmen Haushalt lebenden Helena gesponnen wird, 0 135, und von der Farbe des Widder, des Polyphem, ν, 425. Letztere Zusammenstellung klingt allerdings recht sonderbar,violenfarbige Widder, aber wenn wir daran denken, dass die Farbe des Veilchens von Schwarz nach Rot hin geht, und damit die dunkele beim genauen Zusehen einen Schimmer von Braunrot zeigende Farbe der sogenannten schwarzen Schafe vergleichen, so wird diese dichterische Verwendung der Veilchenfarbe ver- ständlich. Ganz anders fasst Breusing⁴) diese von 1o abgeleiteten Wörter auf. Er denkt an das weisse Veilchen 1 euroy und so kommt er an den obigen Stellen auf weisses d. h. leuchtendes Eisen, auf schaumgeflecktes, oder auch in heiterem Sonnenschein glänzendes Meer und weisse Wolle. Da nthatsächlich das weisse Veilchen massenhaft in Kleinasien vorkommt, so hat diese Erklärung manches für sich. Jedenfalls entsprechen die Anwendungen der von 10 à.ε.αάν abgeleiteten Ajektiva keineswegs genau der Veilchenfarbe. Aber auch wenn wir uns für die Ubersetzungweiss oderweisslich(bei den Widdern wohl etwas ins Schmutzige spielend) entscheiden sollten?) und also für Violett ein Wort bei Homer fehlen würde, S0 beweist das für die mangelnde Farbenempfindung Homers nichts, denn es kann nicht verlangt werden, dass in einer so frühen Zeit, wie es die homerische ist, ein Dichter so feine Nuancen dieser kurzwelligen, so wenig ins Auge fallenden bplauen Farben zur poetischen Charakterisirung hätte verwenden sollen.

Wir stehen am Ende unserer Untersuchung. Sie hat ergeben, dass Homer die Farben des Spektrums Rot, Orange, Gelb, Grün und Blau empfunden und dichterisch verwertet hat.

1) Veckenstedt S. 152 unten.

2) a. a. O0. S. 153 f.

3) Anders Capelle-Seiler s. v.

4) J. J. 131 S. 88 f.

5) doy in E, 72 würde dann auch die weisse Abart sein.